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Freundschaft beginnt im Kopf: Warum ähnliche Gehirne entscheiden, wer uns später besonders nahesteht

31. Aug.
2 Min. Lesezeit

Freundschaften entstehen oft scheinbar zufällig: Zwei Menschen lernen sich kennen, verbringen Zeit miteinander und entdecken nach und nach gemeinsame Interessen. Doch möglicherweise beginnt der Prozess viel früher – noch bevor überhaupt das erste persönliche Gespräch stattfindet.


Mehr dazu heute im LOVETALK.


Am Schluss des Filmklassikers Casablanca spricht Humphrey Bogart als Rick einen Satz, der Filmgeschichte geschrieben hat: "Ich glaube, das ist der Beginn einer wunderbaren Freundschaft."


Bevor Rick diese Worte an Captain Renault richtet, liegt allerdings eine bewegte gemeinsame Geschichte hinter den beiden Männern. Das wirft eine grundsätzliche Frage auf: Brauchen Menschen gemeinsame Erlebnisse und Erfahrungen, ähnliche Interessen oder geteilte Geheimnisse, damit eine Freundschaft entstehen kann? Oder gibt es bereits vor dem Kennenlernen Faktoren, die darüber entscheiden, wem wir uns später besonders verbunden fühlen?


Ähnliche Reaktionen im Gehirn als möglicher Schlüssel


Eine Untersuchung der University of California in Los Angeles liefert Hinweise darauf, dass die Grundlage späterer Freundschaften möglicherweise schon früh erkennbar ist. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, wie ähnlich die Gehirne verschiedener Menschen auf dieselben Eindrücke reagieren.


Das Forschungsteam um Studienleiterin Yixuan Lisa Shen untersuchte Studienanfänger, die sich zu Beginn der Untersuchung noch nicht kannten. Noch vor dem Start des Semesters wurden ihre Hirnaktivitäten mithilfe eines funktionellen Magnetresonanztomografen, kurz fMRT, gemessen.


Während der Untersuchung sahen die Teilnehmenden unterschiedliche Videoclips – darunter Ausschnitte aus Komödien, Dokumentationen und Debatten zu verschiedenen Themen. Die Forschenden zeichneten dabei auf, wie bestimmte Bereiche des Gehirns auf die jeweiligen Inhalte reagierten.


Aus Fremden werden Bekannte – und manchmal Freunde


Die Untersuchung endete nicht mit den Messungen im Scanner. Nach zwei Monaten und erneut nach acht Monaten wurde erfasst, welche sozialen Beziehungen sich innerhalb der Gruppe entwickelt hatten.


Dabei interessierte die Forschenden nicht nur, ob zwei Personen miteinander befreundet waren. Sie betrachteten auch die sogenannte "soziale Distanz". Entscheidend war also, ob Menschen unmittelbar miteinander verbunden waren, sich lediglich über gemeinsame Kontakte kannten oder gar keine Beziehung zueinander hatten.


Bei der Auswertung zeigte sich ein bemerkenswertes Muster: Besonders enge gegenseitige Freundschaften entstanden häufiger zwischen Personen, deren neuronale Reaktionen bereits zu Beginn der Studie stark übereingestimmt hatten.


Nicht jedes Hirnareal ist gleichermaßen entscheidend


Eine besonders deutliche Verbindung fanden die Forschenden in Bereichen des Gehirns, die unter anderem mit Aufmerksamkeit, Bewertung und sozialer Kognition zusammenhängen.


Soziale Kognition beschreibt die Prozesse, mit denen Menschen andere Personen und ihr soziales Umfeld wahrnehmen, einschätzen und ihr eigenes Verhalten daran orientieren. Offenbar kann eine ähnliche Verarbeitung sozialer und anderer Eindrücke dazu beitragen, dass sich Menschen später besonders nahekommen.


Bemerkenswert ist außerdem, dass sich dieser Zusammenhang unabhängig von Faktoren wie Alter, Geschlecht oder sozialer Herkunft zeigte.


Das Prinzip der "Neuronalen Homophilie"


Im Laufe unseres Lebens treffen wir auf unzählige Menschen. Manche Begegnungen bleiben bedeutungslos, andere führen zu kurzen Bekanntschaften. Wieder andere entwickeln sich zu langjährigen und tiefen Freundschaften.


Die Forschenden bezeichnen die beobachtete Tendenz als "Neuronale Homophilie". Dahinter steht die Idee, dass Menschen eher zueinanderfinden, wenn sie ihre Umwelt auf vergleichbare Weise wahrnehmen und interpretieren.

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