Hausärztemangel droht: Studie warnt vor Versorgungslücken in ländlichen Regionen bis 2040
In den kommenden 15 Jahren wird sich die hausärztliche Versorgung in vielen Teilen Deutschlands spürbar verändern. Alles dazu in den Nachrichten im LSJonline-Mittagsmagazin.
Eine aktuelle Untersuchung des Barmer Instituts für Gesundheitssystemforschung in Zusammenarbeit mit der Bertelsmann Stiftung zeigt: Zahlreiche Regionen stehen vor großen Herausforderungen, wenn es um die Sicherstellung medizinischer Grundversorgung geht. Besonders kleinere Städte und ländliche Gebiete sind betroffen.
Ruhestand und Teilzeit als Hauptursachen
Ein wesentlicher Faktor für die prognostizierte Lücke ist die bevorstehende Pensionierungswelle vieler Hausärztinnen und Hausärzte. Etwa ein Viertel der derzeit praktizierenden Mediziner:innen möchte in den nächsten fünf Jahren in den Ruhestand treten – meist aufgrund ihres Alters. Gleichzeitig planen zahlreiche Ärzt:innen, ihre Wochenarbeitszeit schrittweise zu reduzieren. Bis zum Jahr 2030 wird mit einer durchschnittlichen Kürzung um rund 2,5 Stunden pro Woche gerechnet.
Nachwuchs kann Entwicklung nicht vollständig ausgleichen
Zwar rücken junge Mediziner:innen nach, doch dieser Effekt reicht laut Studie nicht aus, um die absehbaren Lücken vollständig zu schließen. Viele angehende Hausärzt:innen entscheiden sich für Teilzeitmodelle oder bevorzugen eine Anstellung in medizinischen Einrichtungen, anstatt eine eigene Praxis zu übernehmen. Schon heute sind bundesweit über 5.000 Hausarztsitze unbesetzt. Innerhalb der kommenden fünf Jahre könnte sich dieser Mangel sogar verdoppeln.
Regionale Unterschiede zeichnen sich ab
Die Forscherinnen und Forscher erwarten, dass sich die Situation in westdeutschen Regionen bis 2040 ähnlich zuspitzen wird wie derzeit bereits in Teilen Ostdeutschlands. Eine flächendeckende Unterversorgung auf Bundesebene sehen sie jedoch nicht. Die Herausforderungen werden also vor allem regional unterschiedlich stark spürbar sein.
Grundlage der Untersuchung
Für die Analyse wurden Daten des Bundesarztregisters sowie Sonderauswertungen der Bundesagentur für Arbeit herangezogen. Zudem floss eine repräsentative Befragung von rund 3.700 Hausärzt:innen ein, die im Juli im Auftrag der Bertelsmann Stiftung durchgeführt wurde. Die Teilnehmenden gaben dabei Auskunft über ihre Zukunftspläne, gewünschte Arbeitszeitmodelle und ihren Bedarf an Entlastung.


