Ungleiche Vermögen: Streit über Erbschaften und Steuerprivilegien in Deutschland
- 16. Sept. 2025
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Zunehmend rückt die Frage in den Mittelpunkt, ob und wie große Erbschaften stärker besteuert werden sollten. Denn bislang bleiben erhebliche Vermögen, die vererbt oder verschenkt werden, oftmals ganz oder weitgehend steuerfrei. Alles dazu in den Nachrichten im LSJonline-Mittagsmagazin.
Grüne fordern zügige Reform
Die Grünen sehen in der derzeitigen Regelung ein erhebliches Ungleichgewicht und wollen gegensteuern. Dabei geht es ihnen nicht um eine pauschale Mehrbelastung, sondern um eine Reform, die auch die wirtschaftlichen Realitäten von Unternehmen berücksichtigt. „Unser Vorschlag an CDU und SPD ist, in einem ersten Schritt sehr schnell und kurzfristig die Ausnahmen abzuschaffen, die aktuell zu großen Ungerechtigkeiten bei der Erbschaftssteuer führen“, erklärte Fraktionschefin Katharina Dröge gegenüber der dpa. Damit knüpfen die Grünen an Spahns Einschätzung an, der in einer Fernsehsendung betont hatte, dass die ungleiche Vermögensverteilung in Deutschland ein ernstzunehmendes Problem sei.
Aktuelle Ausnahmen und ihre Folgen
Derzeit profitieren vor allem Betriebsvermögen, landwirtschaftliche Flächen und Unternehmensanteile von weitreichenden Steuererleichterungen. Der Gedanke dahinter: Firmen sollen nicht in ihrer Existenz bedroht werden, wenn die Erben die fälligen Steuern nicht aus eigenen Mitteln begleichen können. Kritiker:innen sehen darin jedoch eine strukturelle Bevorzugung, die das Ungleichgewicht weiter verfestigt.
Rekordeinnahmen trotz Privilegien
Trotz dieser großzügigen Sonderregelungen verzeichneten die Finanzämter im vergangenen Jahr Rekordeinnahmen aus Erbschaft- und Schenkungssteuer: 13,3 Milliarden Euro – ein Plus von 12,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
Davon entfielen 8,5 Milliarden Euro auf Erbschaften und 4,8 Milliarden Euro auf Schenkungen. Grundlage waren vererbte und verschenkte Vermögenswerte im Umfang von rund 113,2 Milliarden Euro, die oberhalb der Freibeträge lagen.
In den meisten Fällen handelte es sich um Beträge unter einer Million Euro. Besonders ins Auge fallen jedoch 27 Vorgänge, bei denen jeweils mindestens 100 Millionen Euro übertragen wurden.

