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Wenn Worte fehlen: Warum der richtige Ort Gespräche mit Kindern leichter macht

  • 19. Juli
  • 3 Min. Lesezeit

Viele Eltern kennen diese Situation: Man möchte gerne wissen, was das eigene Kind im Kindergarten oder in der Schule erlebt hat, fragt interessiert nach – und bekommt kaum mehr als ein paar kurze Worte zurück. Doch bedeutet das wirklich, dass Kinder nichts erzählen möchten?


Mehr dazu heute in MOMMYTIME.


Nicht unbedingt. Oft liegt es weniger am Interesse der Kinder, sondern vielmehr daran, dass der Moment oder die Umgebung nicht passend ist. Eine Untersuchung zeigt sogar, dass der Ort, an dem ein Gespräch stattfindet, beeinflussen kann, wie offen Kinder über ihre Gedanken und Erlebnisse sprechen.


Kinder müssen nicht jeden Tag alles erzählen


Auch Erwachsene kennen das Gefühl, nach einem langen Tag nicht sofort alles berichten zu wollen. Wir erzählen unseren Partner, Freund oder Familienmitgliedern schließlich auch nicht automatisch jedes Detail unseres Tages. Manchmal gibt es Erlebnisse, die wir unbedingt teilen möchten – manchmal brauchen wir aber einfach Ruhe.


Genauso kann es Kindern gehen. Ein Tag in der Kita oder Schule ist voller Eindrücke, Gespräche und neuer Erfahrungen. Wenn sie nach Hause kommen, möchten sie manchmal einfach abschalten und nicht direkt Fragen beantworten müssen.


Druck hilft dabei meistens nicht. Wer Kinder zum Erzählen drängt, erreicht oft eher das Gegenteil. Viel hilfreicher ist es, geduldig zu bleiben und ihnen den Raum zu geben, von sich aus auf uns zuzukommen. Wenn der richtige Zeitpunkt gekommen ist, beginnen viele Kinder ganz selbstverständlich zu erzählen.


Die Umgebung spielt eine wichtige Rolle


Eine Studie der University of Illinois beschäftigte sich damit, an welchen Orten Kinder besonders gerne mit vertrauten Erwachsenen sprechen. Dafür wurden 100 Schüler der fünften Klasse gemeinsam mit einer Bezugsperson – in diesem Fall ihrer Mutter – befragt.


Das Ergebnis zeigte: Kinder fühlen sich vor allem dort wohl, wo sie Sicherheit und Vertrautheit empfinden. Besonders bekannte Orte wie das eigene Zuhause oder das Auto wurden als angenehm für Gespräche genannt. Auch Situationen, in denen man sich bewegt oder draußen unterwegs ist, können Kindern helfen, leichter über ihre Gedanken und Gefühle zu sprechen.


Diese Orte können Gespräche mit Kindern erleichtern


Nicht jedes Gespräch muss am Küchentisch stattfinden. Manchmal entsteht Offenheit ganz nebenbei – an Orten, an denen Kinder sich wohlfühlen und nicht das Gefühl haben, „befragt“ zu werden.


1. Gemeinsam unterwegs sein

Ein Spaziergang, der Heimweg von der Kita oder Schule oder einfach eine kleine Runde an der frischen Luft kann wahre Wunder wirken. Beim Laufen entsteht weniger direkter Gesprächsdruck, und viele Menschen können ihre Gedanken leichter sortieren, wenn sie in Bewegung sind.


Vielleicht hilft die Bewegung auch Kindern dabei, Gefühle auszudrücken, für die sie im Sitzen noch keine Worte gefunden haben.


2. Das eigene Zimmer als sicherer Rückzugsort

Das Kinderzimmer ist für viele Kinder ein Ort, an dem sie sich besonders geborgen fühlen. Hier können Gespräche in ruhiger Atmosphäre entstehen – besonders, wenn man einen Moment abpasst, in dem das Kind entspannt und angekommen ist.


Gerade persönliche Gespräche unter vier Augen fallen vielen Kindern hier leichter.


3. Beim Einschlafen im Bett

Der Abend bietet oft eine besondere Gelegenheit für Gespräche. Nach einer Geschichte oder einem gemeinsamen Einschlafritual entsteht häufig eine ruhige Stimmung, in der Kinder plötzlich anfangen, von ihrem Tag zu erzählen.


Fragen wie „Was war heute schön?“ oder „Gab es etwas, das dich geärgert hat?“ können helfen. Wird daraus eine feste Gewohnheit, kommen manche Kinder irgendwann ganz automatisch darauf zurück.


4. Das Wohnzimmer oder die Küche

Auch ganz alltägliche Situationen können zu wertvollen Gesprächen führen. Beim gemeinsamen Essen, Kochen oder Entspannen auf dem Sofa entstehen manchmal unerwartete Unterhaltungen.


Diese Gespräche sind vielleicht nicht immer sehr persönlich oder vertraulich, können aber trotzdem wichtige Einblicke in die Gedankenwelt des Kindes geben und die ganze Familie einbeziehen.


5. Das Auto

Für viele Familien ist das Auto ein unterschätzter Gesprächsort. Besonders bei längeren Fahrten oder beim täglichen Bringen und Abholen kann sich eine entspannte Gesprächssituation ergeben.


Ein Vorteil: Man sitzt nebeneinander und muss sich nicht direkt anschauen. Gerade bei schwierigen Themen kann diese Distanz Kindern helfen, sich leichter zu öffnen.


Geduld ist der Schlüssel


Auch wenn Eltern gerne mehr erfahren möchten, lässt sich Offenheit nicht erzwingen. Der Spruch „Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht“ klingt vielleicht altbekannt – trifft aber auch hier zu.


Je mehr Druck entsteht, desto weniger wahrscheinlich wird ein Kind erzählen wollen. Viel wichtiger ist es, aufmerksam zu bleiben, Signale wahrzunehmen und eine Atmosphäre zu schaffen, in der Gespräche jederzeit möglich sind.


Wenn Eltern allerdings merken, dass ihr Kind dauerhaft belastet wirkt, sich zurückzieht oder etwas Schwerwiegendes zu verarbeiten scheint, sollte man genauer hinschauen und gegebenenfalls Unterstützung durch eine Fachstelle suchen.

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