top of page

Achtsamkeit im Alltag: Warum unser Geruchssinn unbewusst entscheidet, mit wem wir befreundet sein wollen

Bisher dachten wir, neue Freundschaften entstehen vor allem durch Augenkontakt, ein sympathisches Lächeln oder das berühmte Gefühl, „auf einer Wellenlänge“ zu sein. Forschende legen nun jedoch nahe, dass ein ganz anderer Sinn eine größere Rolle spielt, als uns bewusst ist: unser Geruchssinn. Mehr dazu jetzt in "Mindful Monday" im LSJonline-Mittagsmagazin.


Die Vorstellung wirkt erst einmal befremdlich: Eine fremde Person bittet darum, an uns zu riechen. Für viele wäre das irritierend oder sogar unangenehm. Doch genau dieser Impuls ist laut einer Studie im Fachjournal Scientific Reportsüberraschend aussagekräftig. Der individuelle Körpergeruch kann demnach Hinweise darauf geben, ob zwischen zwei Menschen das Potenzial für eine Freundschaft besteht.


Das Experiment „Speed Friending“


An der Studie nahmen 40 Frauen zwischen 18 und 30 Jahren teil. Das Versuchsdesign orientierte sich am Prinzip des Speed-Datings – nur eben mit Fokus auf platonische Beziehungen. Ziel war es herauszufinden, welche Faktoren am besten vorhersagen, ob sich zwei Menschen sympathisch sind.


Zunächst wurden alle Teilnehmerinnen fotografiert. Anschließend sahen sie sich ausschließlich die Bilder der anderen an und bewerteten, mit wem sie sich eine Freundschaft vorstellen könnten – und mit wem eher nicht.


Wenn der Geruchssinn übernimmt


Im nächsten Schritt ging es nicht mehr ums Sehen, sondern ums Riechen: Jede Teilnehmerin trug für zwölf Stunden ein T-Shirt im Alltag – inklusive Kochen, Kuscheln mit Haustieren und Deonutzung. Diese Shirts wurden anonymisiert und von den anderen Frauen erschnuppert. Danach trafen sie erneut eine Einschätzung zum möglichen Freundschaftspotenzial.


Erst dann folgten kurze persönliche Gespräche von jeweils vier Minuten. Nach jedem Treffen bewerteten die Teilnehmerinnen wieder, wie gut sie sich eine Freundschaft vorstellen konnten. Zum Abschluss wurden die T-Shirts ein letztes Mal gerochen und erneut beurteilt.


Überraschendes Ergebnis


Die Auswertung zeigte: Der Geruch der T-Shirts war ein verlässlicherer Indikator für den Wunsch nach einer Freundschaft als das bloße Betrachten von Fotos. Mit anderen Worten: Unsere Nase scheint oft besser zu wissen, mit wem wir harmonieren, als unsere Augen.


Was bedeutet das für unsere Freundschaften?


Dass Körpergeruch bei der romantischen Partnerwahl eine Rolle spielt, ist bereits bekannt. Neu ist jedoch die Erkenntnis, dass dieser Effekt auch bei rein freundschaftlichen Beziehungen existiert. Dennoch sollte man die Ergebnisse nicht überbewerten – die Gruppe der Teilnehmenden war klein und altersmäßig sehr eingeschränkt.


Trotzdem regt die Studie zum Schmunzeln an. Vielleicht verlassen wir uns auf der nächsten Party unbewusst mehr auf unsere Nase, wenn wir entscheiden, mit wem wir ins Gespräch kommen. Ob man das Ganze dann direkt mit der Frage „Darf ich mal an dir riechen?“ einleitet, bleibt jedem selbst überlassen.

bottom of page