Asylzahlen sinken: In Europa werden deutlich weniger Schutzanträge gestellt
Die Zahl der Asylanträge in Europa ist im laufenden Jahr offenbar deutlich gesunken. Zwischen Januar und September 2026 wurden in der EU sowie in Norwegen und der Schweiz insgesamt 452.969 Schutzgesuche erfasst. Das berichtet die Welt am Sonntag unter Berufung auf bislang nicht veröffentlichte Daten der EU-Asylagentur EUAA. Alles dazu in den Nachrichten im LSJonline-Mittagsmagazin.
Im Vergleich zum entsprechenden Zeitraum des Vorjahres entspricht das einem Minus von 24,3 Prozent. Damals waren 598.575 Anträge registriert worden. Die aktuellen Zahlen sollen aus einem als vertraulich eingestuften Dokument der EU-Kommission stammen, das am 1. Oktober 2026 zur Migrationsentwicklung in Europa erstellt wurde.
Dobrindt sieht politische Maßnahmen bestätigt
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) wertet die Entwicklung als Beleg für die Wirksamkeit der bisherigen Maßnahmen. „Der deutliche Rückgang der Asylzahlen zeigt: Unsere Maßnahmen auf nationaler und europäischer Ebene wirken“, sagte Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU). Die EU werde ihren eingeschlagenen Weg „zur Wendung des Asylsystems“ fortsetzen, kündigte Dobrindt an. Vorgesehen seien unter anderem neue Instrumente für Krisensituationen. Dazu zählt ein Mechanismus, der die EU-Außengrenzen vor „gesteuerten Massenanstürmen“ schützen soll.
Geplant sind demnach außerdem eine „schnelle Eingreiftruppe“ der EU-Grenzschutzagentur Frontex sowie beschleunigte Asylverfahren direkt an den europäischen Außengrenzen.
Afghanistan führt Herkunftsländer in Deutschland an
Auch bei der Verteilung nach Herkunftsländern zeigen sich klare Schwerpunkte. In Deutschland stammte der größte Anteil der Asylsuchenden in den ersten neun Monaten des Jahres aus Afghanistan. Auf diese Gruppe entfielen laut dem Bericht 23 Prozent aller Antragsteller. Dahinter folgten Menschen aus Syrien mit einem Anteil von zwölf Prozent und aus der Türkei mit zehn Prozent.
Ein ähnliches Bild ergibt sich für den gesamten Raum aus EU, Norwegen und der Schweiz. Dort bildeten Afghan mit 52.361 Anträgen die größte Gruppe. Auf Platz zwei lag Venezuela mit 37.294 Gesuchen, gefolgt von Bangladesch mit 26.497 Anträgen. Auch aus Russland wurden weiterhin Asylanträge gestellt. Insgesamt 6.420 russische Staatsangehörige beantragten laut dem Bericht im betrachteten Zeitraum Schutz.
Ukrainische Anträge konzentrieren sich auf wenige Länder
Unter den Antragstellenden befanden sich außerdem 12.182 Menschen aus der Ukraine. Die Verteilung auf die europäischen Staaten fiel dabei sehr unterschiedlich aus. Frankreich nahm mit 49 Prozent knapp die Hälfte der ukrainischen Asylanträge auf. Polen folgte mit 13 Prozent. Rumänien kam auf sechs Prozent, während Deutschland fünf Prozent der entsprechenden Anträge verzeichnete.

