Wirtschaft vor Erholung: Bundesregierung erhöht Wachstumsprognose
Für die deutsche Wirtschaft zeichnet sich nach Einschätzung der Bundesregierung eine spürbare Erholung ab. Die Regierung hat ihre bisherige Prognose nach oben korrigiert und rechnet nun für das laufende Jahr mit einem Wirtschaftswachstum von 1,3 Prozent. Das teilte das von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) geführte Ministerium am Donnerstag mit. Alles dazu in den Nachrichten im LSJonline-Mittagsmagazin.
Noch im April war die Einschätzung deutlich vorsichtiger ausgefallen. Damals ging die Bundesregierung lediglich von einem Wachstum von 0,5 Prozent aus. Die neue Prognose signalisiert damit einen wesentlich positiveren Blick auf die wirtschaftliche Entwicklung.
Reiche sieht Ende der Schwächephase
Bundeswirtschaftsministerin Reiche wertet die aktuellen Zahlen als Zeichen für eine Trendwende. „Wir haben die Talsohle hinter uns gelassen, die deutsche Wirtschaft wächst wieder“, sagte Reiche. Gleichzeitig betonte sie, dass die Erholung allein noch nicht ausreiche. „Das ist ein wichtiges Signal, aber es ist nur der Anfang.“
Nach Ansicht der Ministerin kommt es nun darauf an, den beginnenden Aufschwung dauerhaft zu stärken. „Unser Anspruch ist klar: Deutschland muss wieder zurück an die Spitze“, sagte die CDU-Politikerin. Dafür seien weitere Veränderungen und Reformen notwendig.
Exporte profitieren von Sondereffekten
Auch die deutsche Exportwirtschaft konnte zuletzt von besonderen Entwicklungen profitieren. Im zweiten Quartal kam es laut Bundesregierung zu einer „Sonderentwicklung“. Hintergrund waren unter anderem globale Lieferengpässe, die zu einer stärkeren Bevorratung mit energieintensiven Produkten führten. Ein Teil dieser Güter wurde in Deutschland hergestellt.
Zusätzliche Impulse verspricht sich die Bundesregierung vom Sondervermögen für Verteidigung und Infrastruktur. Nach ihrer Einschätzung beginnen die entsprechenden Ausgaben bereits, sich positiv auf die wirtschaftliche Entwicklung auszuwirken.
Regierung will strukturelle Probleme angehen
Reiche hatte bereits vor der Veröffentlichung der sogenannten Herbstprojektion auf den Reformbedarf hingewiesen. Ihrer Ansicht nach muss die deutsche Wirtschaft von verschiedenen Belastungen befreit werden.
Im Mittelpunkt stehen dabei unter anderem flexiblere Regelungen bei der Arbeitszeit, eine Begrenzung der Sozialabgaben, weniger bürokratische Vorgaben sowie niedrigere und international wettbewerbsfähige Energiekosten.
DIHK warnt vor zu viel Zuversicht
Trotz der verbesserten Prognose mahnt die Deutsche Industrie- und Handelskammer zu einer zurückhaltenden Bewertung der Lage. Aus Sicht der Handelskammer fehlt den deutschen Ausfuhren weiterhin ein nachhaltiger Wachstumstreiber. „Die Entwicklung der Exporte bleibt ohne eigene Dynamik. Handelspolitische Unsicherheiten und strukturelle Standortnachteile bremsen die Exportwirtschaft schon wieder aus“, erklärte Volker Treier, Außenwirtschaftschef der DIHK.

