Achtsamkeit im Alltag: 8 Anzeichen, dass es einem Menschen nicht gut geht
Nicht jede psychische Belastung ist auf den ersten Blick sichtbar. Manche Menschen funktionieren im Alltag scheinbar ganz normal, obwohl es ihnen innerlich schlecht geht. Deshalb lohnt es sich, Veränderungen bei Menschen, die uns nahestehen, aufmerksam wahrzunehmen. Mehr dazu jetzt in "Mindful Monday" im LSJonline-Mittagsmagazin.
Dabei sollte man allerdings vorsichtig sein: Einzelne Verhaltensweisen sind kein eindeutiger Beweis für eine psychische Erkrankung. Entscheidend ist vielmehr, ob sich das Verhalten einer Person über einen längeren Zeitraum auffällig verändert.
Warum Menschen ihre Gefühle verbergen
Es gibt viele Gründe, weshalb jemand seine eigene Traurigkeit nicht zeigt. Manche wollen andere nicht mit ihren Problemen belasten. Andere haben Angst davor, verletzlich zu wirken, oder schämen sich für ihre Gefühle. Auch hohe Ansprüche an sich selbst können dazu führen, dass negative Emotionen möglichst lange verborgen werden.
Gerade deshalb kann es hilfreich sein, Veränderungen nicht einfach zu übersehen, sondern vorsichtig das Gespräch zu suchen.
Acht mögliche Hinweise auf eine verborgene Belastung
Weniger oder mehr Appetit
Eine deutliche Veränderung beim Essverhalten kann ein Hinweis darauf sein, dass es einem Menschen psychisch nicht gut geht. Manche essen deutlich weniger als sonst, während andere plötzlich häufiger oder mehr Nahrung zu sich nehmen.
Rückzug aus früher geliebten Aktivitäten
Hobbys, Unternehmungen oder Interessen, die früher Freude bereitet haben, werden plötzlich vernachlässigt. Treffen werden abgesagt und selbst Dinge, auf die sich die Person früher gefreut hat, scheinen keine Bedeutung mehr zu haben.
Schlaf gerät aus dem Gleichgewicht
Auch Veränderungen des Schlafs können auffallen. Manche Betroffene schlafen wesentlich länger und haben Schwierigkeiten aufzustehen. Andere liegen nachts wach oder kommen insgesamt mit deutlich weniger Schlaf aus.
Starke Selbstzweifel
Betroffene können zunehmend den Eindruck vermitteln, nichts wert zu sein oder anderen zur Last zu fallen. Eigene Bedürfnisse werden häufig zurückgestellt. Manchmal öffnen sie sich kurz und spielen ihre Gefühle anschließend wieder herunter.
Auffällige Stimmungsschwankungen
Eine Person reagiert plötzlich gereizt, traurig oder ungewöhnlich emotional, obwohl es keinen unmittelbar erkennbaren Anlass gibt. Auch schnelle Wechsel zwischen unterschiedlichen Gefühlslagen können auffallen.
Schwierigkeiten, Entscheidungen zu treffen
Selbst alltägliche Entscheidungen können plötzlich große Unsicherheit auslösen. Entscheidungen werden hinausgezögert, vermieden oder anschließend immer wieder infrage gestellt.
Rückzug und emotionale Distanz
Die Kommunikation wird oberflächlicher, Verabredungen werden häufiger abgesagt oder es gibt immer wieder Gründe, Treffen zu vermeiden. Selbst in vertrauten Beziehungen kann der Eindruck entstehen, dass die Person gedanklich oder emotional weit entfernt ist.
Fehlende Perspektive
Äußerungen wie „Es wird ohnehin nichts besser“ oder ein grundsätzlich pessimistischer Blick auf die eigene Zukunft können darauf hindeuten, dass jemand gerade stark belastet ist. Auch wiederkehrende Gedanken über den Sinn des eigenen Lebens sollten ernst genommen werden.
Was Angehörige und Freund tun können
Wenn dir mehrere dieser Veränderungen auffallen, musst du nicht sofort eine Erklärung oder Diagnose finden. Viel wichtiger ist es, aufmerksam und respektvoll auf die Person zuzugehen.
Vorsichtig ansprechen
Du kannst beispielsweise sagen, dass dir eine Veränderung aufgefallen ist und du dir Gedanken machst. Entscheidend ist eine wertschätzende Haltung. Die betroffene Person sollte nicht das Gefühl bekommen, beobachtet oder zur Rechtfertigung gedrängt zu werden.
Konkrete Unterstützung anbieten
Manchmal hilft bereits ein offenes Gespräch. Du kannst aber auch praktische Unterstützung anbieten – etwa bei der Suche nach einer geeigneten Beratungsstelle oder einem Therapieplatz. Dabei sollte das Angebot freiwillig bleiben.
Grenzen anderer akzeptieren
Auch gut gemeinte Hilfe darf persönliche Grenzen nicht überschreiten. Jeder Mensch entscheidet selbst, wann und mit wem er über seine Probleme sprechen möchte. Sorge um jemanden rechtfertigt deshalb keinen Druck oder kontrollierendes Verhalten.
Auch auf dich selbst achten
Die Belastung kann auch für Angehörige und Freund groß werden. Wenn du merkst, dass dich die Situation überfordert, darfst du dir selbst Unterstützung holen. Professionelle Beratung oder eine Therapie kann dabei helfen, die Situation einzuordnen und einen guten Umgang damit zu finden.
Hilfe ersetzt keine professionelle Behandlung
Freundschaft, Zuwendung und Unterstützung können sehr wertvoll sein – sie ersetzen jedoch keine medizinische oder psychotherapeutische Behandlung. Wenn der Eindruck entsteht, dass eine psychische Erkrankung vorliegen könnte, sollte die betroffene Person professionelle Hilfe in Anspruch nehmen.
Du kannst bei der Suche nach Unterstützung helfen, musst aber weder eine Diagnose stellen noch die Verantwortung dafür übernehmen, dass es der anderen Person wieder gut geht.



