Achtsamkeit im Alltag: Warum wir einige Vorstellungen loslassen sollten
Ein erfülltes Leben lässt sich nicht nach einer allgemeinen Anleitung gestalten. Was Menschen glücklich oder zufrieden macht, hängt von ihrer Persönlichkeit, ihren Erfahrungen, ihren Beziehungen und ihren individuellen Lebensumständen ab. Deshalb kann es kein allgemeingültiges Rezept für ein gelungenes Leben geben. Mehr dazu jetzt in "Mindful Monday" im LSJonline-Mittagsmagazin.
Trotzdem begegnen uns immer wieder Vorstellungen darüber, wie wir leben, arbeiten und uns verhalten sollten, um glücklich zu werden. Manche dieser Vorstellungen setzen uns jedoch unnötig unter Druck. Sie vermitteln den Eindruck, wir müssten nur die richtigen Entscheidungen treffen, genug leisten oder uns selbst stärker zurücknehmen – dann würde sich Zufriedenheit automatisch einstellen.
Diese Vorstellungen sollten wir kritisch hinterfragen
1. Willenskraft allein führt nicht automatisch zum Ziel
Disziplin, Ausdauer und Einsatz können zweifellos dabei helfen, persönliche Ziele zu verfolgen. Allerdings wird häufig der Eindruck vermittelt, jeder Mensch könne alles erreichen, wenn er sich nur genügend anstrengt und niemals aufgibt.
Diese Vorstellung greift zu kurz. Menschen starten nicht unter denselben Bedingungen ins Leben. Herkunft, finanzielle Möglichkeiten, körperliche Voraussetzungen, Geschlecht, Bildung, persönliche Fähigkeiten und viele weitere Faktoren beeinflussen, welche Möglichkeiten jemand tatsächlich hat.
2. Die eigenen Bedürfnisse ernst zu nehmen, ist kein Egoismus
Unser Leben ist untrennbar mit anderen Menschen verbunden. Freundschaften, Familie, Partnerschaften und andere soziale Beziehungen können uns Halt geben und gleichzeitig Verantwortung mit sich bringen. Gerade wenn andere auf unsere Unterstützung angewiesen sind, ist es selbstverständlich, dass wir gelegentlich eigene Interessen zurückstellen.
Daraus sollte jedoch nicht die Erwartung entstehen, ständig für alle anderen da sein zu müssen. Wer seine eigenen Grenzen dauerhaft ignoriert, riskiert Erschöpfung und Überforderung. Langfristig ist damit auch den Menschen, für die man Verantwortung übernimmt, nicht unbedingt geholfen. Rücksichtnahme und Selbstfürsorge müssen sich deshalb nicht ausschließen.
3. Mehr Leistung und Besitz bedeuten nicht automatisch mehr Zufriedenheit
In unserer Gesellschaft wird Erfolg häufig mit messbaren Dingen verbunden: einem guten Einkommen, beruflichem Aufstieg, Eigentum oder möglichst vielen erreichten Zielen. Daraus kann leicht die Vorstellung entstehen, unser persönlicher Wert steige mit unserer Leistung.
Dabei ist der Wert eines Menschen nicht davon abhängig, welchen Beruf er ausübt, wie viel Geld er verdient, ob er Kinder hat oder wo er lebt. Menschliche Bedeutung lässt sich nicht sinnvoll in Leistung oder Besitz messen. Aus einem Gefühl des Erfolgs entsteht dadurch nicht zwangsläufig Zufriedenheit, sondern häufig der Druck, immer weiterzumachen.



