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Achtsamkeit im Alltag: Warum wir glauben, schlechter anzukommen, als wir es tatsächlich tun

  • 31. Mai
  • 2 Min. Lesezeit

Du kommst von einem Treffen nach Hause, eigentlich war alles angenehm. Gespräche liefen, es wurde gelacht, nichts Dramatisches passiert. Und trotzdem setzt dieses komische Gefühl ein: War ich zu viel? Zu wenig? Unangenehm? Vielleicht hätte ich manche Dinge einfach nicht sagen sollen. Mehr dazu jetzt in "Mindful Monday" im LSJonline-Mittagsmagazin.


Dieses Nachhallen nach sozialen Situationen kennen viele – und oft kippt es schnell in Selbstkritik.


Der innere Kritiker nach dem Treffen


Im Nachhinein beginnt häufig ein gedankliches Replay: einzelne Sätze wirken plötzlich unpassend, das eigene Verhalten erscheint unsicher oder übertrieben. Man fragt sich, ob man zu still war, zu laut gelacht hat oder vielleicht sogar negativ aufgefallen ist.


Nicht selten kommt auch der Gedanke dazu, dass das Gegenüber den Abend vermutlich schneller beendet hätte, wenn es höflich möglich gewesen wäre.


Die „Sympathie-Lücke“: Was andere wirklich von uns halten


Für dieses Phänomen gibt es einen Begriff aus der Psychologie: das sogenannte Liking Gap.


Gemeint ist die Diskrepanz zwischen dem, wie sympathisch wir glauben, auf andere zu wirken – und dem, wie positiv wir tatsächlich wahrgenommen werden.


Studien zeigen: Menschen unterschätzen systematisch, wie gut sie bei ihrem Gegenüber ankommen. Wir gehen also oft davon aus, dass andere uns weniger mögen, als es in Wirklichkeit der Fall ist.


Warum diese Selbstzweifel uns eher schaden


Das Problem liegt nicht nur im unangenehmen Grübeln danach. Solche Fehleinschätzungen können auch unser Verhalten beeinflussen. Wer glaubt, schlecht angekommen zu sein, zieht sich eher zurück, wird vorsichtiger oder öffnet sich weniger in zukünftigen Begegnungen. Dadurch entstehen unnötige Barrieren in sozialen Beziehungen.


Harte Selbsturteile statt realistische Wahrnehmung


Viele Menschen gehen davon aus, dass sie ständig bewertet werden – für jedes Detail: die Stimme, das Lachen, das Aussehen oder kleine Unsicherheiten im Auftreten. Besonders kritisch sind wir dabei oft mit uns selbst. Während wir eigene „Fehler“ stark wahrnehmen, registrieren andere sie meist kaum oder bewerten sie deutlich milder. Der Unterschied zwischen Selbstbild und Fremdwahrnehmung ist hier oft größer als gedacht.


Warum wir das überhaupt so empfinden


Die Ursachen für diese Verzerrung sind vielfältig. Gesellschaftliche Erwartungen, Selbstoptimierungsdruck und die ständige Selbstinszenierung – etwa in sozialen Medien – verstärken den Blick auf das eigene Auftreten.


Hinzu kommen tief verankerte soziale Muster: Menschen sind darauf programmiert, Reaktionen anderer besonders genau zu lesen. Evolutionär war es wichtig, schnell zu erkennen, ob man akzeptiert oder ausgeschlossen wird.


Ein sehr altes Bewertungsprogramm im Kopf


Schon früh in der menschlichen Entwicklung war Zugehörigkeit entscheidend fürs Überleben. In Gruppen akzeptiert zu sein bedeutete Sicherheit, ausgeschlossen zu werden dagegen Gefahr. Daher ist unser Gehirn darauf trainiert, soziale Signale extrem sensibel zu interpretieren – manchmal eben auch zu negativ.


Die gute Nachricht: Wir liegen oft daneben


Forschung zeigt: Unsere Einschätzung darüber, wie wir auf andere wirken, ist häufig zu kritisch. Tatsächlich empfinden Gesprächspartner uns meist als deutlich angenehmer, als wir selbst glauben. Mit anderen Worten: Das negative Gefühl nach einem Treffen sagt oft mehr über unsere eigene Wahrnehmung aus als über die Realität.

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