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Achtsamkeit im Alltag: Wie kurze Begegnungen im Alltag unser Erinnerungsvermögen fördern

Gute Gesellschaft wirkt auf uns auf vielfältige Weise positiv. Besonders bereichernd ist es, regelmäßig neue Menschen kennenzulernen. Untersuchungen legen nahe, dass solche Kontakte nicht nur unser Wohlbefinden steigern, sondern sogar die Gedächtnisleistung fördern können. Mehr dazu jetzt in "Mindful Monday" im LSJonline-Mittagsmagazin.


Wissenschaftliche Studien bestätigen bereits seit Jahren die Bedeutung sozialer Kontakte für unsere Gesundheit: Menschen mit stabilen Beziehungen leben tendenziell länger, fühlen sich glücklicher und sind insgesamt gesünder. Sogar kurze, ungezwungene Gespräche mit fremden Personen können sich positiv auf unsere psychische Verfassung auswirken.


Neues aus der Gedächtnisforschung


Eine aktuelle Untersuchung der University of Singapore zeigt nun einen weiteren faszinierenden Aspekt: Soziale Interaktionen scheinen direkt das Erinnerungsvermögen zu unterstützen. Forschende wollten herausfinden, ob Begegnungen mit neuen Personen die Fähigkeit verbessern, Informationen abzuspeichern.


Um dies zu testen, führten sie Experimente mit Mäusen durch. Die Tiere durften jeweils fünf Minuten lang mit einer fremden oder bereits bekannten Maus interagieren, bevor sie eine kleine Lernaufgabe absolvierten: Tritt ein Nager auf ein Metallgitter, erhielt er einen leichten Stromreiz – das Ziel war, dass die Tiere lernen, das Gitter zu meiden.


Die Ergebnisse waren eindeutig: Mäuse, die zuvor eine unbekannte Maus getroffen hatten, erinnerten sich deutlich besser an die Aufgabe als die Tiere, die nur eine bekannte Maus begegneten. Auf molekularer Ebene ließ sich dieser Effekt ebenfalls nachweisen: Eine Woche nach der Begegnung zeigten die Tiere höhere Konzentrationen eines Proteins, das dafür verantwortlich ist, Erinnerungen vom Kurzzeit- ins Langzeitgedächtnis zu überführen.


Bedeutung für das menschliche Gehirn


Obwohl die Studie an Mäusen durchgeführt wurde, liefern die Ergebnisse interessante Hinweise für uns Menschen. Die grundlegenden Strukturen des Hippocampus – des Gehirnbereichs, der für das Lernen und Erinnern zentral ist – sind bei Nagern und Menschen vergleichbar. So deutet vieles darauf hin, dass soziale Interaktionen auch unser menschliches Gedächtnis stärken könnten, insbesondere wenn sie kurz vor einer Lernsituation stattfinden.


Sreedharan Sajikumar, einer der Studienautoren, betont: „Soziale Kontakte sind nicht nur angenehm, sie sind eine biologische Notwendigkeit. Sie beeinflussen direkt die Funktionsweise unseres Gehirns und sind sowohl für die Bildung von Erinnerungen als auch für bedeutsame zwischenmenschliche Beziehungen entscheidend.“


Potenziale für Therapie und Prävention


Die Erkenntnisse könnten auch therapeutisch genutzt werden. Mohammad Zaki Bin Ibrahim, Co-Autor der Studie, erklärt: „Wenn wir verstehen, wie soziale Erfahrungen den Hippocampus formen, lassen sich gezielt Maßnahmen entwickeln, um Gedächtnisleistung bei gefährdeten Gruppen zu stärken.“


Denkbar seien hier verschiedene Ansätze: Medikamente, gezielte Gehirnstimulation oder Veränderungen im Lebensstil, die den positiven Effekt sozialer Kontakte auf das Gedächtnis fördern.

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