Gemeinsam backen: Warum Kinder dabei mehr lernen als nur ein Rezept
Mehl abwiegen, Teig kneten, Kekse ausstechen und anschließend nach Herzenslust verzieren: Beim Backen mit Kindern entstehen nicht nur leckere Köstlichkeiten, sondern auch wertvolle Lernmomente. Was für Erwachsene manchmal nach zusätzlicher Arbeit klingt, bietet dem Nachwuchs zahlreiche Möglichkeiten, neue Fähigkeiten zu entdecken und auszubauen.
Mehr dazu heute in MOMMYTIME.
Natürlich läuft in der Küche nicht immer alles nach Plan. Zutaten landen neben der Schüssel, klebrige Finger hinterlassen Spuren auf der Arbeitsplatte und von den bunten Streuseln fehlt plötzlich die Hälfte. Dazu kommt vielleicht ein Löffel, der schneller im Mund als in der Teigschüssel landet. Wer mit Kindern backt, braucht deshalb vor allem eines: Gelassenheit.
Doch es lohnt sich, das Chaos für einen Moment auszublenden. Denn die gemeinsame Zeit in der Küche stärkt nicht nur die Beziehung zwischen Eltern und Kindern. Sie fördert spielerisch wichtige Fähigkeiten, die den Kleinen auch im Alltag zugutekommen.
Gerade an verregneten Nachmittagen oder an gemütlichen Wochenenden ist das Backen eine schöne Gelegenheit, gemeinsam aktiv zu werden. Und das Beste daran: Die Kinder dürfen mitmachen, ausprobieren und am Ende stolz auf ihr eigenes Werk sein.
8 Gründe, gemeinsam den Backofen anzuwerfen
1. Kleine Erfolge stärken das Selbstvertrauen
Wenn aus einzelnen Zutaten nach und nach ein fertiger Kuchen entsteht, können Kinder unmittelbar erleben, was sie selbst geschafft haben. Sie haben gerührt, geknetet, ausgestochen oder verziert – und am Ende liegt das Ergebnis ihrer Arbeit vor ihnen.
Dieses Erfolgserlebnis vermittelt ihnen, dass sie etwas bewirken und Aufgaben eigenständig bewältigen können. Die Freude über selbst gebackene Muffins oder liebevoll dekorierte Kekse stärkt das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und motiviert dazu, auch neue Herausforderungen anzugehen.
2. Lebensmittel mit allen Sinnen kennenlernen
Beim Backen gibt es viel zu entdecken: Mehl fühlt sich anders an als Butter, Zucker schmeckt anders als Kakao und ein ungebackener Teig verändert sich im Ofen deutlich. Kinder lernen verschiedene Zutaten, ihre Eigenschaften und ihre Verwendung kennen.
Die gemeinsame Zubereitung bietet außerdem Raum für spannende Gespräche. Woher kommen Eier und Milch? Welche Zutaten gehören zu einer ausgewogenen Ernährung? Warum sollte man Süßigkeiten in Maßen genießen? Auf diese Weise lässt sich Wissen über Lebensmittel ganz unkompliziert in den Familienalltag integrieren.
3. Die Fantasie bekommt freien Lauf
Ein einfacher Keks kann zum kleinen Kunstwerk werden, und aus einem gewöhnlichen Muffin entsteht mit etwas Glasur und Dekoration eine ganz persönliche Kreation. Unterschiedliche Ausstechformen, Farben und Verzierungen laden Kinder dazu ein, eigene Ideen zu entwickeln.
Dabei gibt es selten nur eine richtige Lösung. Die Kleinen können experimentieren, Entscheidungen treffen und ihre Vorstellungen umsetzen. Das macht das Backen zu einer kreativen Beschäftigung, bei der die eigene Fantasie ausdrücklich erwünscht ist.
4. Mengen und Zahlen werden greifbar
Wie viele Eier brauchen wir? Wie viele Löffel Zucker kommen in die Schüssel? Und wie viele Plätzchen passen auf das Backblech? Beim Zubereiten von Teig begegnen Kindern Zahlen in einem ganz natürlichen Zusammenhang.
Sie können Zutaten abzählen, Mengen vergleichen und erste Erfahrungen mit Gewichten sammeln. Ältere Kinder lernen, Messbecher und Küchenwaage zu benutzen. So wird aus abstraktem Zahlenwissen eine praktische Erfahrung, die das Verständnis für Mengen und mathematische Zusammenhänge unterstützt.
5. Gemeinsam etwas schaffen verbindet
Wenn Familien zusammen backen, übernehmen alle kleine Aufgaben und arbeiten auf ein gemeinsames Ziel hin. Während ein Familienmitglied die Zutaten vorbereitet, kümmert sich ein anderes um den Teig oder die Dekoration.
Kinder erfahren dadurch, dass ihre Mithilfe wichtig ist und sie zum Gelingen des Projekts beitragen. Das gemeinsame Arbeiten kann das Wir-Gefühl stärken und ihnen vermitteln, dass sie ein geschätzter Teil der Familie sind.
Auch die Bedeutung des gemeinsamen Backens spiegelt sich in einer Elternbefragung wider: 84 Prozent der befragten Eltern waren der Ansicht, dass diese Aktivität den familiären Zusammenhalt fördert. Für 67 Prozent gehörte sie zu den wichtigen Bestandteilen des Familienlebens.
6. Geschickte Hände und aufmerksame Augen
Beim Backen sind viele kleine Bewegungen gefragt. Kinder müssen Zutaten vorsichtig einfüllen, Eier aufschlagen, Teig kneten, Formen ausstechen und Gebäck mit einem Pinsel bestreichen. Beim Verzieren kommt es darauf an, auch kleine Mengen möglichst gezielt zu platzieren.
Diese Tätigkeiten unterstützen die Feinmotorik und die Koordination zwischen Augen und Händen. Gleichzeitig müssen Kinder bei den einzelnen Arbeitsschritten aufmerksam bleiben, um beispielsweise die richtige Zutat zu verwenden oder den Teig nicht zu verschütten. Je nach Alter können sie nach und nach anspruchsvollere Aufgaben übernehmen und ihre Fähigkeiten durch regelmäßiges Üben weiterentwickeln.
7. Warten lernen, ohne die Freude zu verlieren
Ist der Teig endlich fertig und das Backblech im Ofen, beginnt für viele Kinder der schwierigste Teil: das Warten. Schließlich möchten sie möglichst schnell sehen und probieren, was sie vorbereitet haben.
Die Backzeit eignet sich deshalb gut, um Geduld zu üben. Kinder erfahren, dass manche Dinge Zeit brauchen und sich nicht beliebig beschleunigen lassen. Mit etwas Unterstützung können sie lernen, die Wartezeit auszuhalten und sich auf das spätere Ergebnis zu freuen.
8. Ordnung gehört zum Backvergnügen dazu
Nach dem letzten Keks ist die Arbeit noch nicht ganz erledigt. Leere Verpackungen müssen entsorgt, Schüsseln gespült und Mehlreste von der Arbeitsfläche entfernt werden. Auch diese Aufgaben können Kinder ihrem Alter entsprechend übernehmen.
Wenn alle beim Aufräumen mithelfen, lernen sie, dass Sauberkeit und Hygiene selbstverständlich zur Zubereitung von Lebensmitteln gehören. Sie entwickeln ein erstes Verantwortungsgefühl für den gemeinsamen Arbeitsplatz und verstehen, dass nach einer Aktivität auch das Beseitigen der Spuren dazugehört.



