Rund 3.500 Fälle bestätigt: Warum mehr Transparenz und bessere Patientenrechte nötig sind
Die bislang bekannten Zahlen zu medizinischen Behandlungsfehlern dürften nur einen Bruchteil des tatsächlichen Ausmaßes abbilden. Nach Einschätzung des Medizinischen Dienstes Bund legen wissenschaftliche Untersuchungen zur stationären Versorgung nahe, dass es in Deutschland jährlich zwischen 350.000 und 700.000 Schadensereignisse geben könnte. Alles dazu in den Nachrichten im LSJonline-Mittagsmagazin.
Diese Dimension sollte nach Ansicht des Medizinischen Dienstes stärker zum Gegenstand der politischen Diskussion werden. Ein Blick ins Ausland zeige zudem, dass andere Staaten beim Umgang mit Behandlungsfehlern bereits weiter seien.
AOK sieht Handlungsbedarf bei Patientenrechten
Auch die Allgemeinen Ortskrankenkassen drängen darauf, das Thema nach Jahren politischer Ankündigungen konkreter anzugehen. Carola Reimann, Vorsitzende des AOK-Bundesverbands, sieht die Stärkung der Patientenrechte als wichtige Aufgabe für den neuen Gesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU).
Ein wesentliches Problem: Patienten erfahren heute häufig erst dann von einem möglichen Behandlungsfehler, wenn sie selbst gezielt danach fragen. Für medizinische Laien seien entsprechende Hinweise allerdings oftmals kaum zu erkennen.
Informationspflicht und zentrales Register gefordert
Der Medizinische Dienst plädiert deshalb für eine gesetzlich festgeschriebene Pflicht, Patienten in entsprechenden Fällen über mögliche Fehler zu informieren. Noch weiter geht Eugen Brysch von der Deutschen Stiftung Patientenschutz. Er spricht sich für die Einrichtung eines bundesweiten Registers aus, in dem Behandlungsfehler sowohl aus dem ambulanten als auch aus dem stationären Bereich erfasst werden.
Vermeidbare Schäden verursachen auch hohe Folgekosten
„Wir diskutieren intensiv über steigende Beitragssätze, Finanzierungslücken und Einsparpotenziale. Dann müssen wir auch darüber sprechen, wie viele Ressourcen durch vermeidbare Schäden in Medizin und Pflege gebunden werden“, sagte Dr. Stefan Gronemeyer, Vorstandsvorsitzender des Medizinischen Dienstes Bund, "Aber jeder vermeidbare Schaden, den wir verhindern, bedeutet weniger Leid und vermeidet zugleich unnötige Folgekosten.“

