Union und SPD: Streit um Wehrdienstmodell spitzt sich weiter zu
- 15. Okt. 2025
- 2 Min. Lesezeit
Eigentlich wollten Union und SPD ihren Konflikt über die Wehrdienstpläne des Verteidigungsministers beenden – stattdessen hat sich die Lage weiter zugespitzt. Alles dazu in den Nachrichten im LSJonline-Mittagsmagazin.
Regierungsentwurf setzt auf Freiwilligkeit
Bereits im August hatte das Bundeskabinett den Entwurf von Verteidigungsminister Pistorius gebilligt. Dieser sieht vor, die Personalgewinnung zunächst ausschließlich über Freiwillige zu organisieren. Das Ziel: junge Menschen sollen sich aus eigenem Antrieb für den Dienst bei der Bundeswehr entscheiden.
Union fordert konkrete Pflichtregelung
Innerhalb der Union stieß dieser Ansatz auf Skepsis. Vertreter der CDU/CSU verlangten eine klare Frist: Sollten bis zu einem bestimmten Zeitpunkt nicht genügend Rekruten zusammenkommen, müsse automatisch eine allgemeine Wehrpflicht greifen.
CDU/CSU-Fraktionschef Jens Spahn verteidigte kurz vor dem Höhepunkt der Auseinandersetzung ein mögliches Losverfahren. „Sollte es zu einer neuen Wehrpflicht kommen, müsse man eine möglichst gerechte Auswahl treffen“, betonte er.
Opposition spricht von Chaos
Aus den Reihen der Opposition kam scharfe Kritik. Grünen-Chef Banaszak bezeichnete die Situation als Ausdruck politischer Unordnung und warf der Regierungskoalition vor, die eigenen Prozesse nicht im Griff zu haben.
Auch von links gab es Bedenken: Linksfraktionschef Sören Pellmann warnte vor einer „Lotto-Wehrpflicht“. Das Konzept erinnere ihn „an den Roman ‚Tribute von Panem‘, wo Kinder für die Hungerspiele ausgelost werden“.
AfD-Chefin Alice Weidel äußerte sich ebenfalls ablehnend: „Ich habe so etwas Schwachsinniges selten gehört.“
Bedarf an mehr Soldat:innen
Der Streit über das Wehrdienstmodell steht im Zusammenhang mit einem umfassenden Reformvorhaben. Grund dafür ist der wachsende Personalbedarf der Bundeswehr. Angesichts der veränderten sicherheitspolitischen Lage durch den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine plant die Regierung, die Truppenstärke deutlich zu erhöhen.
Derzeit verfügt die Bundeswehr über rund 183.000 aktive Soldat:innen. Künftig sollen es etwa 260.000 sein – inklusive einer verstärkten Reserve.
Option für Pflichtdienst bleibt bestehen
Obwohl der neue Wehrdienst grundsätzlich auf Freiwilligkeit setzt, enthält der Entwurf weiterhin die Möglichkeit, eine Wehrpflicht einzuführen, falls sich nicht ausreichend Freiwillige finden. Die Union kritisiert jedoch, dass die entsprechenden Bestimmungen bislang zu unpräzise seien.

