Wohnkosten steigen rasant: Immer mehr Menschen geraten durch Miete und Energie in Armut
Nach neuen Berechnungen des Paritätischen Gesamtverbands geraten in Deutschland deutlich mehr Menschen in eine prekäre Lebenslage, wenn man die Belastungen durch Miete, Energie und weitere Wohnkosten einbezieht. Alles dazu in den Nachrichten im LSJonline-Mittagsmagazin.
Wird dieser Faktor berücksichtigt, steigt die Zahl der armutsgefährdeten Personen auf rund 18,4 Millionen – deutlich mehr als die etwa 13 Millionen Menschen, die ohne Wohnkosten als gefährdet gelten würden. Das entspricht 22,3 Prozent der Bevölkerung. Noch ein Jahr zuvor lag dieser Anteil bei 21,2 Prozent.
Wer besonders betroffen ist
Bestimmte Bevölkerungsgruppen stehen einem besonders hohen Risiko gegenüber, finanziell durch Wohnkosten überlastet zu werden. Überdurchschnittliche Belastungen zeigen sich etwa bei Alleinerziehenden, von denen fast die Hälfte Schwierigkeiten hat, bezahlbaren Wohnraum zu sichern. Auch junge Erwachsene unter 25 Jahren und Familien mit drei oder mehr Kindern ringen häufig mit hohen Miet- und Energiekosten. Selbst Menschen ab 65 Jahren, die oft auf feste Einkommen angewiesen sind, tragen ein überproportional hohes Risiko. Regional treten die größten Probleme in Hamburg, Berlin und dem Saarland auf.
Forderungen zur Entlastung
Der Verband betont, dass die Politik deutlich stärker eingreifen müsse, um die Lage auf dem angespannten Wohnungsmarkt zu entschärfen. Dringend notwendig sei eine deutliche Ausweitung preisgünstiger Wohnungen und ein Ende der einseitigen Fokussierung auf luxuriöse Neubauprojekte. Auch die zeitliche Befristung der Preisbindungen im sozialen Wohnungsbau müsse aufgehoben werden. Zudem fordert der Verband wirksame Maßnahmen gegen überhöhte Mietforderungen sowie einen umfassenden Schutz der Bewohnerinnen und Bewohner vor weiteren Kostensteigerungen. Ebenso wichtig sei es, dass Wohnkosten weiterhin vollständig durch die Grundsicherung abgedeckt bleiben.
Grundlage der Auswertung
Die Analyse stützt sich auf Daten des Statistischen Bundesamtes. Als armutsgefährdet gelten Menschen, deren Haushalt über weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens verfügt. Für die Berechnung der sogenannten Wohnarmut wurden die Wohnkosten zuvor vom Gesamteinkommen abgezogen, um die reale Belastung sichtbar zu machen.

