Achtsamkeit im Alltag: Warum echtes Selbstbewusstsein nicht von äußerer Bestätigung abhängt
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Oft heißt es, narzisstische Menschen strotzten nur so vor Selbstbewusstsein. Doch dieser Eindruck täuscht. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen: Zwischen echtem Selbstwertgefühl und Narzissmus liegt ein grundlegender Unterschied. Mehr dazu jetzt in "Mindful Monday" im LSJonline-Mittagsmagazin.
Auf den ersten Blick wirken beide Phänomene ähnlich. Sowohl Narzissmus als auch ein stabiles Selbstwertgefühl gehen mit einer positiven Sicht auf die eigene Person einher. Der entscheidende Unterschied liegt jedoch darin, worauf diese positive Wahrnehmung basiert.
Ein gesunder Selbstwert bedeutet, sich als Mensch grundsätzlich wertvoll zu empfinden. Dieses Gefühl ist relativ unabhängig von äußeren Einflüssen. Beim Narzissmus hingegen verschiebt sich der Fokus: Hier steht weniger das innere Empfinden von Wert im Vordergrund, sondern vielmehr das Bedürfnis, sich besonders und überlegen zu fühlen. Die eigene Bedeutung wird überhöht, häufig auf Kosten anderer.
"Ich bin wertvoll" vs. "Ich bin etwas Besonderes"
Eine selbstsichere Person könnte sagen: "Ich bin gut und wertvoll." Eine narzisstische Person dagegen formuliert eher: "Ich bin etwas Besonderes" oder "Ich bin der:die Beste hier."
Der Unterschied ist subtil, aber entscheidend. Während sich ein Mensch mit gesundem Selbstwert nicht über andere definieren muss, braucht die narzisstische Persönlichkeit den Vergleich. Das eigene Selbstbild speist sich stark daraus, wie man im Verhältnis zu anderen dasteht – und wie man von ihnen wahrgenommen wird.
Gerät dieses äußere Bild ins Wanken, etwa durch Kritik, kann das vermeintlich starke Selbstbewusstsein rasch zusammenbrechen. Das Selbstwertgefühl ist fragil, weil es von Bestätigung abhängt.
Was eine Langzeitstudie mit Kindern zeigte
Ein Forschungsteam unter der Leitung von Eddie Brummelman an der Universität von Amsterdam untersuchte diesen Unterschied bereits im Kindesalter.
In der Studie sangen 71 Kinder im Alter von viereinhalb Jahren ein Lied vor ihren Eltern, einer filmenden Person und einer weiteren anwesenden Fachkraft. Währenddessen sowie davor und danach wurden körperliche Stressreaktionen gemessen, um Aufschluss über ihre Nervosität zu erhalten. Drei Jahre später füllten die inzwischen siebeneinhalbjährigen Kinder psychologische Fragebögen aus. Ziel war es festzustellen, ob sich narzisstische Tendenzen oder ein stabiles Selbstwertgefühl entwickelt hatten.
Die Ergebnisse waren aufschlussreich: Kinder, die später stärkere narzisstische Merkmale zeigten, reagierten bereits vor ihrem Auftritt besonders angespannt. Kinder mit gesundem Selbstwert blieben hingegen vergleichsweise gelassen – vor, während und nach der Situation.
Innere Stabilität statt äußerer Bestätigung
Aus diesen Beobachtungen zogen die Forschenden eine klare Schlussfolgerung. Narzisstisch geprägte Personen erleben besonders dann Unsicherheit, wenn sie befürchten, bewertet zu werden. Ihr Selbstbild ist eng an Anerkennung und Bewunderung geknüpft.
Menschen mit gesundem Selbstwert hingegen haben verinnerlicht, dass ihr persönlicher Wert nicht von einzelnen Leistungen abhängt. Selbst wenn sie scheitern oder kritisiert werden, bleibt ihr Grundgefühl stabil.
Natürlich sind auch selbstbewusste Menschen nicht frei von Nervosität oder Lampenfieber. Doch sie können mit Kritik, Ablehnung oder Spott deutlich besser umgehen. Ihr Selbstwert ist nicht an äußere Umstände gebunden. Genau darin liegt der zentrale Unterschied: Während Narzissmus auf äußerer Bestätigung aufbaut und deshalb verletzlich bleibt, gründet ein gesunder Selbstwert in einer inneren, unabhängigen Überzeugung vom eigenen Wert.

