"Eisheiligen" im Faktencheck: Warum die alte Bauernregel heute kaum noch Bestand hat
- 11. Mai
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Die sogenannten „Eisheiligen“ gelten seit Jahrhunderten als Orientierung für Hobbygärtner und Landwirte. Nach dieser alten Bauernregel soll es Mitte Mai noch einmal zu Nachtfrost kommen können. Deshalb wurde traditionell empfohlen, empfindliche Pflanzen erst nach diesem Zeitraum ins Freie zu setzen. Mehr dazu im LSJonline-Mittagsmagazin.
Die Grundlage dafür waren jedoch vor allem Erfahrungen, Überlieferungen und volkstümliche Vorstellungen – wissenschaftliche Messreihen existierten damals noch nicht.
Zweifel an der alten Bauernregel
Nach heutigen Erkenntnissen lässt sich die Annahme einer besonderen Frostperiode zwischen dem 11. und 15. Mai statistisch nicht belegen. Der Deutsche Wetterdienst weist darauf hin, dass es in diesem Zeitraum keine auffällige Häufung von Kälteeinbrüchen gibt. „Tatsächlich scheinen die Eisheiligen als meteorologische Singularität also eher ein Mythos zu sein, der auf regionalen Sondererfahrungen aus dem Mittelalter fußt und keinesfalls Allgemeingültigkeit besitzt“, sagt der DWD.
Frost bleibt dennoch ein Risiko
Auch wenn die Eisheiligen wissenschaftlich nicht eindeutig nachweisbar sind, treten im Mai weiterhin Kaltlufteinbrüche auf. Besonders in der Landwirtschaft spielen solche Wetterlagen nach wie vor eine wichtige Rolle, da empfindliche Pflanzen und Blüten durch späten Frost erheblich geschädigt werden können.
Klimawandel verändert den Rhythmus der Natur
Steigende Durchschnittstemperaturen führen zwar dazu, dass Frosttage im Frühjahr insgesamt seltener werden. Gleichzeitig entwickelt sich die Vegetation jedoch früher als noch vor einigen Jahrzehnten. Obstbäume blühen eher, und auch Weinreben treiben früher aus. Dadurch geraten Pflanzen trotz milderer Temperaturen weiterhin in Gefahr, weil mögliche Frostphasen genau in diese empfindliche Entwicklungszeit fallen können. Wetterexperte Lothar Bock vom Deutschen Wetterdienst betont deshalb, dass sich das Risiko nicht einfach auflöst, sondern zeitlich verschiebt: Nicht nur Frostperioden verändern sich, sondern ebenso der Beginn der Blüte und des Wachstums.

