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Tierhaltungslabel auf der Kippe: Warum die Kennzeichnung für Tierwohl erneut verschoben wird

Die staatliche Haltungskennzeichnung für Schweinefleisch war politisch bereits beschlossene Sache. Eigentlich hätte diese Pflichtkennzeichnung seit August des vergangenen Jahres gelten müssen. Doch bislang suchen Verbraucher:innen sie vergeblich. Alles dazu in den Nachrichten im LSJonline-Mittagsmagazin.


Nach einer ersten Verschiebung durch Schwarz-Rot soll der Start nun erneut vertagt werden – diesmal bis Anfang 2027. Gleichzeitig ist geplant, das gesamte System noch einmal grundlegend zu überarbeiten.


Fünf Stufen für mehr Transparenz


In der aktuellen Planung umfasst das Label fünf Abstufungen. Sie reichen von einfacher Stallhaltung über verschiedene Auslaufmodelle bis hin zu Bio. Damit soll nachvollziehbar werden, unter welchen Bedingungen das jeweilige Schwein gelebt hat. Vorerst ist die Kennzeichnung allerdings nur für frisches, unverarbeitetes Schweinefleisch aus deutscher Herkunft vorgesehen.


Der SPD-Bundestagsabgeordnete Jens Behrens hält das für zu kurz gedacht. Seiner Ansicht nach sollte die Kennzeichnung nicht an der Ladentheke enden, sondern auch in Restaurants gelten. Verbraucher:innen müssten seiner Meinung nach ebenfalls beim Schnitzel im Gasthaus erkennen können, wie das Tier gehalten wurde.


Bauernverband fordert Vereinfachung


Beim Deutschen Bauernverband stößt die erneute Verschiebung auf Zustimmung. Auch eine Überarbeitung des Konzepts wird dort begrüßt. Das bislang geplante System sehen viele Landwirt:innen kritisch. „Es ist sehr viel Bürokratie, sehr viel Dokumentation“, sagt Stefanie Sabet, Generalsekretärin des Deutschen Bauernverbands. Zudem verweist sie darauf, dass zahlreiche Betriebe bereits an anderen Kennzeichnungsprogrammen teilnehmen und dafür schon umfangreiche Nachweise erbracht hätten. Ihre Forderung lautet, „dass man auf das zurückgreift, was schon etabliert ist, und nicht sagt, wir müssen jetzt unbedingt eine eigene Lösung bauen“.


Grüne warnen vor endloser Vertagung


Aus Sicht der Grünen war das Vorhaben von Beginn an zu eng gefasst. Die Bundestagsabgeordnete Zoe Mayer erklärt, ihre Fraktion habe ursprünglich ein deutlich umfassenderes Label angestrebt. Aufgrund zahlreicher juristischer Hürden habe man sich jedoch darauf geeinigt, zunächst nur mit Schweinefleisch zu starten – in der Erwartung, das System später auszuweiten. Nun wächst die Sorge, dass genau das nicht mehr passiert. Mayer warnt, „dass dieses Gesetz an den Sankt-Nimmerleins-Tag verschoben werden soll“.

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