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Öl statt Drogenkrieg: Warum Venezuelas Rohstoffe plötzlich im Zentrum der US-Politik stehen

Lange Zeit begründete Donald Trump sein hartes Vorgehen gegenüber Venezuela mit dem Kampf gegen den internationalen Drogenhandel. Inzwischen hat sich der Ton deutlich verschoben: Statt Sicherheitspolitik steht nun vor allem ein Rohstoff im Zentrum der Argumentation – Erdöl. Alles dazu in den Nachrichten im LSJonline-Mittagsmagazin.


Ein Riese mit ungenutztem Reichtum


Venezuela sitzt auf einem enormen Schatz. Rund 17 Prozent der weltweit bekannten Ölreserven liegen unter venezolanischem Boden. Trotz dieser Spitzenposition spielt das Land auf dem globalen Energiemarkt kaum noch eine Rolle. Die tägliche Fördermenge lag zuletzt bei etwa 1,1 Millionen Barrel – ein Bruchteil dessen, was angesichts der Reserven möglich wäre, und nur rund ein Prozent der weltweiten Produktion.


Rückkehr der US-Konzerne?


Nach den Vorstellungen Trumps soll sich das ändern. US-amerikanische Ölunternehmen sollen erneut in Venezuela aktiv werden und die Förderung ankurbeln. Historisch wäre das keine Premiere: Bereits seit den frühen 1900er-Jahren waren US-Firmen im venezolanischen Ölsektor präsent. Unter Präsident Hugo Chávez änderte sich das jedoch grundlegend – ab 2007 verloren ausländische Konzerne durch Verstaatlichungen faktisch die Kontrolle über ihre Investitionen.


Washingtons Drei-Stufen-Plan


Die US-Regierung spricht inzwischen von einem mehrstufigen Vorgehen. Zunächst gehe es darum, das Land zu stabilisieren, erklärte Außenminister Rubio. Danach solle eine Phase des wirtschaftlichen Wiederaufbaus folgen, ehe schließlich ein politischer Übergang möglich werde. Die konkrete Ausgestaltung liege letztlich in den Händen der venezolanischen Bevölkerung.


Parallel dazu verhandeln die USA offenbar über Lieferverträge im Umfang von 30 bis 50 Millionen Barrel Öl. Zugleich sollen einzelne Sanktionen gezielt gelockert werden, um den Export venezolanischen Rohöls und entsprechender Produkte auf den Weltmarkt zu erleichtern. Eine offizielle Reaktion aus Caracas stand zuletzt noch aus.


Skepsis an den Märkten und in der Branche


Kurzfristig reagierten die Ölpreise zunächst mit einem Anstieg. Langfristig könnte eine steigende Produktion Venezuelas jedoch eher preisdämpfend wirken – ein Szenario, das für viele US-Ölunternehmen wenig attraktiv wäre. Zusätzlich erschwert die Qualität des Rohstoffs die Lage: Das schwere venezolanische Öl ist technisch anspruchsvoller zu verarbeiten als etwa Öl aus der Nordsee.


Unklar bleibt daher, ob US-Konzerne tatsächlich in größerem Stil investieren werden. Branchenvertreter verweisen immer wieder auf die veraltete Infrastruktur und die politische Unsicherheit im Land. Solange offen ist, wer Venezuela künftig regiert und welche Regeln gelten, bleibt das Engagement für viele ein riskantes Unterfangen.

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