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Adultismus im Alltag: Wie scheinbar harmlose Sätze Kinder kleinmachen

  • vor 1 Tag
  • 2 Min. Lesezeit

Vielleicht ist dir der Begriff Adultismus schon begegnet. Gemeint ist damit eine Denkweise, nach der Erwachsene allein aufgrund ihres Alters als wichtiger, kompetenter oder richtiger gelten als Kinder.


Mehr dazu heute in #MOMMYTIME.


Diese Haltung zeigt sich oft im Alltag – manchmal laut und deutlich, manchmal ganz subtil. Was dabei leicht übersehen wird: Solche Botschaften können das Selbstwertgefühl von Kindern nachhaltig beeinflussen.


Größer, stärker, wichtiger?


In unserer Gesellschaft gilt häufig: Was groß ist, hat mehr Bedeutung. Ein riesiges Geschenk wirkt beeindruckender als ein kleines. Ein Elefant bekommt mehr Bewunderung als ein Insekt. Körpergröße wird mit Attraktivität, Macht oder Durchsetzungsfähigkeit verbunden.


Diese Logik übertragen wir unbewusst auch auf Kinder: Erwachsene sind älter, größer, erfahrener – also scheinbar automatisch im Recht.


Natürlich wollen die meisten Eltern ihre Kinder respektvoll begleiten. Dennoch rutschen uns im Alltag Sätze heraus, die weniger auf Augenhöhe stattfinden, als wir denken. Und Adultismus zeigt sich eben nicht nur in offensichtlichen Machtworten, sondern auch in scheinbar harmlosen Formulierungen.


Kinder entwickeln Selbstvertrauen vor allem dann, wenn sie erleben: Meine Gefühle, Gedanken und Bedürfnisse zählen genauso.


Typische Alltagssätze – und was stattdessen möglich wäre


Im Folgenden findest du Beispiele, die verdeutlichen, wie schnell Überlegenheit mitschwingt – samt wertschätzender Alternativen.


„Weil ich das sage.“

Kaum ein Satz bringt Machtgefälle klarer auf den Punkt. Die Botschaft lautet: Meine Autorität reicht als Begründung. Für das Kind bleibt kein Raum für Verständnis oder Mitdenken.


Anders formuliert: „Ich entscheide das jetzt so. Ich erkläre dir gern, warum mir das wichtig ist.“


„Jetzt stell dich nicht so an und gib Opa/Oma einen Kuss!“

Körperliche Selbstbestimmung sollte keine Verhandlungssache sein. Kinder dürfen selbst entscheiden, wie sie Nähe zeigen möchten.


Respektvolle Alternative: „Möchtest du winken, Tschüss sagen oder lieber eine Umarmung geben?“


„Andere Kinder können das doch auch.“

Vergleiche erzeugen Druck und vermitteln: Du genügst noch nicht. Dabei entwickeln sich Kinder individuell und in unterschiedlichem Tempo.


Stärkende Variante: „Jeder lernt anders. Weißt du, was du schon richtig gut kannst?“


„Dafür bist du noch zu jung.“

Neugier wird hier schnell abgewiegelt. Das Kind erfährt: Deine Fragen sind nicht angemessen oder wichtig genug.


Besser formuliert: „Das Thema ist gar nicht so einfach. Ich überlege, wie ich es dir verständlich erklären kann.“


„Wenn der Kuchen spricht, hat der Krümel Pause.“

Humorvoll gemeint – aber die Botschaft ist klar: Große reden, Kleine warten. Kinder lernen so, dass ihre Beiträge weniger Gewicht haben.


Einfühlsamer reagiert: „Ich merke, dass du etwas sagen möchtest. Gib mir kurz eine Minute, dann höre ich dir zu.“


„Du ziehst das jetzt an, fertig!“

Eltern tragen Verantwortung – keine Frage. Doch selbst kleine Wahlmöglichkeiten stärken das Gefühl von Mitbestimmung.


Kooperativer Ansatz: „Mir ist wichtig, dass du eine Jacke trägst. Möchtest du die rote oder die blaue?“


„Deshalb brauchst du doch nicht zu weinen.“

Ob ein Grund „groß genug“ ist, entscheidet nicht der Erwachsene. Gefühle sind subjektiv – und immer real.


Einfühlsamer reagiert: „Das fühlt sich für dich gerade richtig schlimm an. Was würde dir jetzt helfen?“

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