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Freiheit der Kinder: Warum Eltern oft unbeabsichtigt die Selbstständigkeit ihrer Kinder einschränken

  • vor 3 Stunden
  • 2 Min. Lesezeit

Eine Umfrage zeigt, dass viele Eltern ihren Kindern weniger Freiheiten lassen, als sie eigentlich möchten. Besonders bei 5- bis 11-Jährigen beobachten Forschende, dass Kinder oft kaum Dinge ohne elterliche Aufsicht tun dürfen – obwohl Eltern Autonomie für wichtig halten. Warum entsteht dieser Widerspruch zwischen Absicht und Realität?


Mehr dazu heute in #MOMMYTIME.


Viele Eltern sind überzeugt, dass selbstständige Erfahrungen ihren Kindern guttun. Studien der Universität von Michigan belegen jedoch ein großes Missverhältnis: Eltern befürworten Unabhängigkeit, erlauben sie aber selten im Alltag. Sarah Clark, Co-Direktorin des C.S. Mott Kinderkrankenhauses der Universität, erklärt: "Eltern hindern unbewusst die Entwicklung von Selbstständigkeit und Problemlösungsfähigkeit." Rund 1000 Eltern von Grundschulkindern wurden zu diesem Thema befragt.


Eigenständigkeit in der Grundschule


Die Grundschulzeit gilt als entscheidend für die Entwicklung von Selbstständigkeit – zunächst mit elterlicher Begleitung, später auch ohne Aufsicht. Doch wie viel Freiheit erleben Kinder tatsächlich?


5- bis 8-Jährige


Obwohl 74 % der Eltern sagen, dass sie möchten, dass ihre Kinder Aufgaben selbst erledigen, zeigt die Praxis ein anderes Bild:

  • 47 % der Kinder sprechen bei Arztbesuchen direkt mit dem medizinischen Personal.

  • 30 % entscheiden selbst über die Verwendung ihres Taschengelds.

  • 24 % bestellen ihr Essen im Restaurant eigenständig.

  • 20 % bereiten Snacks oder Mahlzeiten selbst zu.


Gründe für die Zurückhaltung der Eltern:
  • Sorgen um die Sicherheit (44 %)

  • Gewohnheit, Aufgaben selbst zu erledigen (38 %)

  • Annahme, das Kind wolle es nicht selbst tun (34 %)

  • Einschätzung, das Kind sei nicht reif genug (31 %)

  • Zeitaufwand (27 %)

  • Sorge, dass es nicht „richtig“ gemacht wird (26 %)


9- bis 11-Jährige


Bei älteren Kindern glauben 84 % der Eltern, dass zeitweilige Selbstständigkeit gut tut. In der Praxis sieht es so aus:

  • 58 % der Kinder durften kurz allein zu Hause bleiben.

  • 50 % konnten alleine im Supermarkt einkaufen.

  • 44 % blieben allein im Auto, während die Eltern Besorgungen machten.

  • Ein Drittel durfte allein zu Freund:innen gehen oder mit dem Fahrrad fahren.

  • 29 % spielten ohne Aufsicht mit Freund:innen draußen.

  • Nur 15 % feierten Halloween ohne erwachsene Begleitung.


Hauptgründe der Einschränkungen:
  • Reife des Kindes wird bezweifelt (32 %)

  • Kind möchte nicht selbstständig handeln (28 %)

  • Sorge um Sicherheit, etwa dass jemand dem Kind folgen könnte (54 %)


Einfluss von Medien und gesellschaftlicher Erwartung


Clark betont: "Elterliche Sorgen sind normal, doch Medienberichte und gesellschaftliche Erwartungen verstärken oft übertriebene Vorsicht." Viele Eltern fürchten die Bewertung durch andere: 17 % befürchten, dass die Polizei gerufen wird, 11 % fühlen sich als schlechte Eltern. Tatsächlich kritisierte bereits ein Viertel der Befragten andere Eltern wegen unzureichender Aufsicht. Diese sogenannte „Schuldkultur“ verstärkt das Zögern, Kinder selbstständig handeln zu lassen.


Wege zu mehr Unabhängigkeit


Wie können Eltern ihre Kinder sicher in der Selbstständigkeit unterstützen? Die Studienergebnisse geben konkrete Hinweise:

  1. Abwägen: Gibt es wirklich einen Grund, Aufgaben selbst zu übernehmen?

  2. Fähigkeiten üben: Einkaufen, Kochen oder einfache Hausarbeiten Schritt für Schritt einführen.

  3. Ruhige Zeit wählen: Lernen in stressfreien Phasen wie Nachmittagen oder am Wochenende.

  4. Sicherer Rahmen: Kinder können an bekannten Orten mit Freund:innen üben – Bibliothek, Einkaufszentrum, Park.

  5. Umgang mit Erwachsenen üben: Kindern beibringen, vertrauenswürdige Personen zu erkennen und um Hilfe zu bitten.



Nach und nach können Eltern sich zurückziehen, während Kinder Selbstvertrauen und Erfahrung sammeln. Studien zeigen: Wer Autonomie fördert, stärkt nicht nur das Selbstbewusstsein, sondern auch die psychische Gesundheit von Kindern.



Quelle: michiganmedicine.org

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