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Dauerstress im Alltag: Mit der 4-Körbe-Methode problematisches Verhalten einordnen

Kennst du diesen Gedanken: „Mein Kind tanzt mir auf der Nase herum!“? Vielleicht hast du ihn schon selbst gedacht – oder sogar von anderen gehört. Manche Kinder haben einen starken Willen, viel Temperament und eine große Persönlichkeit. Eigentlich etwas Positives.


Mehr dazu heute in #MOMMYTIME.


Im Alltag fühlt es sich für Eltern jedoch oft anders an. Wenn Kinder ständig provozieren, sich verweigern, aggressiv reagieren, laut werden oder scheinbar absichtlich Grenzen testen, kostet das enorm viel Energie. Streit, Anspannung und Frust werden zu Dauerbegleitern. Und irgendwann steht die Frage im Raum: Was muss sich eigentlich ändern – und womit fange ich an?


Ordnung ins Chaos bringen: ein klares Prioritätensystem


Genau hier setzt die sogenannte „4-Körbe-Methode“ an, die auch unter dem Namen „3 + 1 Körbe Methode“ bekannt ist. Sie hilft dir dabei, problematisches Verhalten nicht als riesigen Berg wahrzunehmen, sondern es zu sortieren, zu bewerten und bewusst zu gewichten.


Die Methode wird häufig in der Elternberatung genutzt, lässt sich aber auch ganz unkompliziert zu Hause anwenden. Ziel ist nicht, alles auf einmal zu verändern – sondern herauszufinden, was wirklich deine Aufmerksamkeit verdient.


Ursprung der Methode


Entwickelt wurde das Konzept vom amerikanischen Kinderpsychologen Ross Greene. Er hat mehrere „New York Times“-Bestseller veröffentlicht und beschäftigt sich seit vielen Jahren mit dem Umgang mit herausfordernden Verhaltensweisen „schnell zu frustrierender, chronisch inflexibler Kinder“. Sein Ansatz: weniger Kampf, mehr Klarheit und realistische Erwartungen.


Schritt für Schritt: So funktioniert die Methode


1. Alles aufschreiben, was belastet

Zunächst notierst du jedes Verhalten deines Kindes, das dich im Alltag stresst, auf eine eigene Karte. Wirklich alles – auch die kleinen Dinge. Jede Karte steht für ein konkretes Verhalten.


2. Drei Körbe, drei Bedeutungen

Nun sortierst du die Karten in drei unterschiedlich große Körbe. Die Farben orientieren sich an einer Ampel. Du kannst echte Körbe nehmen (z. B. Wäschekorb, Papierkorb, kleines Deko-Körbchen) oder das Ganze symbolisch auf Papier machen.


🟢 Grüner Korb – Akzeptanz

Das ist der größte Korb. Hier landet alles, was dich zwar nervt, bei genauerem Hinsehen aber hinnehmbar ist. Der Sinn dahinter: Du trainierst bewusst eine akzeptierende Haltung. Das hilft, dich weniger über Kleinigkeiten aufzuregen – und entlastet vor allem dich selbst.


🟡 Gelber Korb – Kompromiss

In diesen mittleren Korb kommen Verhaltensweisen, die langfristig nicht ideal sind, im Moment aber tragbar. Vielleicht habt ihr bereits Absprachen oder Übergangslösungen gefunden. Die Botschaft dieses Korbs lautet: Nicht perfekt, aber gerade nicht prioritär.


🔴 Roter Korb – Klare Grenze

Der kleinste Korb ist der wichtigste. Hier gehören nur die Verhaltensweisen hinein, die du künftig nicht mehr akzeptieren möchtest. Das sollten maximal zwei oder drei Punkte sein. Genau darauf richtest du deine Energie und Veränderungsstrategien aus. Alles andere darf – zumindest vorübergehend – warten.


Warum es auch ein vierter Korb ist


Jetzt wird klar, warum man auch von der „3 + 1 Körbe Methode“ spricht. Denn zusätzlich zu den drei Entscheidungs-Körben gibt es noch einen weiteren:


⚪ Weißer Korb – Ressourcen

Dieser Korb ist ein echter Perspektivwechsel. Hier notierst du alles, was gut läuft: Stärken deines Kindes, schöne Eigenschaften, Dinge, die funktionieren oder sich gar nicht ändern müssen. Er erinnert dich daran, dass dein Kind mehr ist als seine schwierigen Seiten.


Auch ohne Körbe wirksam


Falls du keine Körbe zur Hand hast, funktioniert das Ganze auch als einfache Liste. Die visuelle Vorstellung hilft jedoch vielen Eltern, sich weniger überwältigt zu fühlen und den Fokus bewusst zu verengen.


Das Ergebnis: mehr Klarheit, weniger Dauerstress – und ein gezielter Einsatz deiner Kräfte. Übrigens lässt sich dieses Prinzip nicht nur in der Erziehung anwenden, sondern auch bei ganz anderen Herausforderungen im Alltag.

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