Fremdeln: Wie ihr euer Kind in dieser sensiblen Phase liebevoll begleiten könnt
- Redaktion Mittagsmagazin

- 1. Jan.
- 2 Min. Lesezeit
Es ist völlig normal, dass Babys und Kleinkinder phasenweise zurückhaltend oder ängstlich auf fremde Menschen reagieren. Plötzlich, scheinbar von einem Tag auf den anderen, kann euer Kind sich anders verhalten.
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Es ist nicht mehr so offen, das Lachen auf Familienfeiern verstummt oder es zieht sich auf dem Spielplatz zurück. Auch vertraute Personen wie Großeltern oder die Lieblings-Tante können dann vorsichtig gemieden werden.
Häufig steckt dahinter die sogenannte Fremdelphase – ein natürlicher Teil der kindlichen Entwicklung. In den meisten Fällen besteht kein Grund zur Sorge, vielmehr geht es jetzt um Geduld, Einfühlungsvermögen und Sicherheit.
Typische Merkmale der Fremdelphase
Die Fremdelphase beginnt meist um den 8. Monat und kann bis etwa zum 2. Lebensjahr dauern. Bei manchen Kindern zeigt sie sich erst später und endet erst mit etwa 4 Jahren.
Babys und Kleinkinder reagieren auf neue Personen oft vorsichtig oder abwartend: Manche verstecken ihr Gesicht im Schoß der Eltern, andere weinen oder klammern sich fest.
Intensität und Dauer sind von Kind zu Kind unterschiedlich. Müdigkeit, Krankheit oder Unwohlsein können die Fremdel-Reaktionen verstärken.
Mit fortschreitender sprachlicher Entwicklung gewinnen Kinder oft wieder Selbstsicherheit.
Warum Fremdeln ein wichtiger Schritt ist
Fremdeln ist ein Zeichen dafür, dass Kinder lernen, Bekanntes von Unbekanntem zu unterscheiden. Sie erkennen Gesichter, ordnen sie bestimmten Bezugspersonen zu und reagieren auf Fremde vorsichtig – ein natürlicher Schutzmechanismus.
Es ist auch üblich, dass Kinder zwischen den Eltern unterscheiden: Ein Kind kann in dieser Phase zum Beispiel die Mutter bevorzugen. Gespräche mit Ärzt:innen bei Vorsorgeuntersuchungen helfen, generalisierten Ängsten von normalen Entwicklungsphasen zu unterscheiden.
Wie ihr euer Kind unterstützen könnt
1. Geduld zeigen
Trennungen oder neue Situationen sollten schrittweise geübt werden. Kurze Aufenthalte in Kita oder bei einer Betreuungsperson lassen sich nach und nach verlängern. Heimlich zu verschwinden untergräbt das Vertrauen.
2. Schutz und Nähe anbieten
Wenn euer Kind sich unsicher fühlt, nehmt es auf den Schoß, streichelt sanft oder haltet es einfach fest. Das Signal „Hier bist du sicher“ vermittelt Geborgenheit.
3. Auf das Bauchgefühl hören
Ihr kennt euer Kind am besten. Lieb gemeinte Ratschläge wie „Der muss abgehärtet werden“ können ignoriert werden, wenn ihr merkt, dass euer Kind Schutz bei euch braucht.
4. Einfühlsam reagieren
Nehmt die Ängste ernst. Lacht nicht darüber, bewertet das Verhalten nicht negativ. Versetzt euch in euer Kind hinein: Wer hätte nicht gern Schutz, wenn man Angst hat?
5. Vertrauen aufbauen durch Vorbereitung
Erzählt eurem Kind vorher, wer zu Besuch kommt, und dass es Zeit braucht, sich wohlzufühlen. Schon im Vorfeld entsteht so ein Gefühl von Sicherheit.
6. Stressfreie Begegnungen ermöglichen
Lasst Gäste sich ruhig vorstellen, ohne das Kind zu drängen. Auch hier gilt: das Verhalten respektieren, nicht zu Umarmungen oder Nähe zwingen.
7. Gesättigt und ausgeruht sein
Hungrig oder müde reagieren Kinder oft empfindlicher. Achtet darauf, dass das Kind bei neuen Begegnungen nicht erschöpft oder hungrig ist.
8. Andere einbeziehen
Erklärt Besuchern die Phase eures Kindes freundlich. Verständnis von außen erleichtert die Situation.
9. Keine Vergleiche ziehen
Vergleiche mit anderen Kindern oder Aufforderungen wie „Jetzt sei nicht so schüchtern!“ untergraben das Selbstwertgefühl. Lasst euer Kind in seinem eigenen Tempo Vertrauen fassen.
10. Eigene Stimmung zeigen
Kinder beobachten die Reaktionen ihrer Eltern genau. Seid ihr entspannt und offen, spürt das Kind, dass es ebenfalls Vertrauen haben kann.



