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Gewalt im Verborgenen: Neue Studie zeigt erschreckend hohe Betroffenenzahlen in Deutschland

Eine umfassende Untersuchung liefert aktuelle Erkenntnisse darüber, wie häufig Menschen in Deutschland Gewalt erfahren, ohne dass diese Fälle offiziell bekannt werden. Alles dazu in den Nachrichten im LSJonline-Mittagsmagazin.


Ziel der Erhebung ist es, das Ausmaß nicht angezeigter Übergriffe sichtbar zu machen und Betroffene stärker in den Fokus politischer Maßnahmen zu rücken. „Es geht darum, die Opfer von Gewalt in den Mittelpunkt zu stellen. Die Opfer brauchen Schutz und müssen sich frei bewegen können“, sagt Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU).


Für die Studie wurden über einen Zeitraum von zwei Jahren mehr als 15.000 Personen befragt. Initiiert wurde das Projekt gemeinschaftlich vom Bundesfamilienministerium, dem Bundesinnenministerium sowie dem Bundeskriminalamt.


Sexuelle Belästigung: Hohe Betroffenenzahlen


Ein zentrales Ergebnis betrifft sexuelle Belästigung. Fast jede zweite befragte Person (45,8 Prozent) gab an, im Laufe ihres Lebens entsprechende Erfahrungen gemacht zu haben. Innerhalb der vergangenen fünf Jahre berichteten 26,5 Prozent von solchen Vorfällen.


Bei der Differenzierung nach Geschlecht zeigen sich deutliche Unterschiede: 34,7 Prozent der Frauen und 14,5 Prozent der Männer waren in den letzten fünf Jahren von sexueller Belästigung ohne körperlichen Kontakt betroffen. Bei Übergriffen mit Körperkontakt lagen die Werte bei 14,5 Prozent der Frauen und 4,6 Prozent der Männer. Als Täter:innen wurden überwiegend Personen genannt, zu denen kein enges Verhältnis bestand – häufig Fremde oder nur flüchtige Bekanntschaften.


Digitale Gewalt trifft vor allem Jüngere


Neben physischen und verbalen Übergriffen wurde auch Gewalt im digitalen Raum untersucht. In den vergangenen fünf Jahren erlebten 20 Prozent der Frauen und 13,9 Prozent der Männer digitale Formen von Gewalt.


Besonders auffällig ist die Betroffenheit junger Menschen: Mehr als 60 Prozent der 16- bis 17-jährigen Frauen sowie rund ein Drittel (etwa 33 Prozent) der gleichaltrigen Männer berichteten von entsprechenden Erfahrungen innerhalb dieses Zeitraums.


Geplante Maßnahmen zur besseren Strafverfolgung


Nach Angaben von Dobrindt sollen die Ergebnisse auch konkrete politische Schritte nach sich ziehen. Vorgesehen sind unter anderem die breitere Einführung einer „Tarn-App“ zur sicheren Dokumentation von Gewalttaten, strengere Strafen beim Einsatz von K.O.-Tropfen, sowie die Möglichkeit einer elektronischen Fußfessel nach spanischem Vorbild. Damit sollen sowohl Prävention als auch Strafverfolgung gestärkt und Betroffene wirksamer geschützt werden.

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