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Stimmen im Streit: Warum deutsche Synchronsprecher:innen gegen die KI-Nutzung durch Netflix protestieren

In der deutschen Film- und Serienlandschaft spitzt sich eine Debatte zu, die weit über einzelne Vertragsdetails hinausgeht. Im Zentrum steht die Frage: Wem gehört die eigene Stimme – und wer darf sie für Künstliche Intelligenz nutzen? Alles dazu in den Nachrichten im LSJonline-Mittagsmagazin.


Zahlreiche deutsche Synchronsprecher:innen legen derzeit ihre Zusammenarbeit mit Netflix auf Eis. Hintergrund ist eine Vertragsklausel des Streaminganbieters, die vorsieht, Sprachaufnahmen für das Training von KI-Systemen verwenden zu dürfen. Aus Sicht vieler Beteiligter bleiben dabei zentrale Punkte ungeklärt.


Kritik an fehlender Transparenz


Die Sprecher:innen bemängeln vor allem, dass wesentliche Fragen zur Nutzung ihrer Stimmen im Vertrag nicht eindeutig geregelt seien. Sie fordern das Recht, selbst zu bestimmen, ob ihre Aufnahmen in KI-Trainingsprozesse einfließen dürfen. Zudem verlangen sie eine angemessene Bezahlung, falls ihre Stimme auf diese Weise eingesetzt wird. „Wir akzeptieren nicht, dass unsere Arbeit, unser Arbeitsmittel, von Privatkonzernen genutzt wird, ohne dass wir daran finanziell beteiligt sind“, sagt Anna-Sophia Lumpe vom Verband Deutscher Sprecher:innen.


Forderung nach einem Lizenzmodell


Der Verband setzt sich für klare Rahmenbedingungen ein. Konkret geht es um die Einführung eines Lizenzmarktes für KI-Training. Dieser soll sicherstellen, dass die Nutzung von Stimmen vergütet wird und Sprecher:innen ausdrücklich widersprechen können – ohne dadurch berufliche Nachteile befürchten zu müssen. Aus Sicht der Branche ist die Stimme nicht nur kreativer Ausdruck, sondern zentrales Arbeitsmittel. Entsprechend sensibel wird jede Form der digitalen Weiterverwertung betrachtet.


Reaktion von Netflix


Netflix betont auf Anfrage, man nehme die „Diskussionen und Reaktionen werden selbstverständlich ernst genommen“. Bislang sei kein Film oder keine Serie ohne deutsche Synchronfassung veröffentlicht worden, zudem gehe man „nicht davon aus, dass sich dies in naher Zukunft ändern wird“. Gleichzeitig berichtete DWDL.de, dass das Unternehmen Synchronsprecher:innen schriftlich darauf hingewiesen habe, bei einem anhaltenden Boykott notfalls verstärkt auf deutsche Untertitel setzen zu müssen.

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