Lehrkräfte fehlen: OECD warnt vor wachsenden Personalengpässen an deutschen Schulen
Der aktuelle Bildungsbericht der OECD zeigt, dass fehlendes Lehrpersonal längst kein rein deutsches Problem ist. Besonders deutlich zeigt sich die Situation jedoch hierzulande: An Schulen, die 55 Prozent der Schülerbesuchen, berichten die Schulleitungen von Beeinträchtigungen des Unterrichts durch fehlende Lehrkräfte. Zum Vergleich: Im Durchschnitt der OECD-Staaten liegt dieser Anteil bei 27 Prozent. Hinzu kommt, dass 18,6 Prozent der Lehrkräfte in Deutschland nicht über eine vollständige Qualifikation verfügen. Alles dazu in den Nachrichten im LSJonline-Mittagsmagazin.
Weniger Kinder bedeuten nicht automatisch Entlastung
Der demografische Wandel könnte den Druck auf das Bildungssystem langfristig zwar verringern, eine automatische Lösung für den Lehrkräftemangel ist dadurch jedoch nicht garantiert. Nach Einschätzung der OECD hängt der Personalbedarf nicht allein von der Zahl der Schüler ab. Entscheidend sind unter anderem die Klassengrößen sowie die Organisation von Unterrichts- und Arbeitszeiten.
Im untersuchten Zeitraum nahm die Zahl der Schüler in Deutschland um 15 Prozent zu. Gleichzeitig wuchs das Lehrkräftepersonal um 17 Prozent. Dennoch bleibt die Arbeitsbelastung hoch: Vollzeitbeschäftigte Lehrkräfte kommen durchschnittlich auf 42,4 Arbeitsstunden pro Woche. Damit liegen sie 1,6 Stunden über dem OECD-Durchschnitt.
Beruf wird geschätzt – aber nicht gesellschaftlich
Auch die Wahrnehmung des Lehrerberufs spielt für die Personalsituation eine wichtige Rolle. Zwar geben 85 Prozent der Lehrkräfte an, mit ihrer beruflichen Tätigkeit zufrieden zu sein. Ein deutlich anderes Bild zeigt sich bei der gesellschaftlichen Anerkennung: Lediglich 22 Prozent haben den Eindruck, dass der Beruf in der Gesellschaft ausreichend wertgeschätzt wird.
Dabei gibt es innerhalb Deutschlands erhebliche Unterschiede. Die OECD weist darauf hin, dass nicht alle Regionen und Schulen gleichermaßen vom Personalmangel betroffen sind. In einigen Gebieten fallen die Engpässe deutlich stärker aus als in anderen.
Prien fordert Veränderungen in der Ausbildung
Bundesbildungsministerin Prien (CDU) sieht unter anderem bei der universitären Lehrkräftebildung Handlungsbedarf. Ihrer Ansicht nach fließe an den Hochschulen zu wenig in Forschung und Entwicklung. Gleichzeitig seien die Abbruchquoten im Studium hoch.
Als mögliche Maßnahme nannte sie eine stärkere Begleitung von Lehramtsstudierenden bereits in den ersten Semestern. Eine solche Unterstützung könne dazu beitragen, dass mehr Studierende ihr Studium tatsächlich bis zum Abschluss fortsetzen.

