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Pubertät bei Jungen: Alles, was ihr als Eltern wissen müsst

Viele Eltern erleben es völlig unerwartet: Der Sohn, der bis vor Kurzem noch fröhlich plappernd aus der Schule kam, zieht sich immer mehr zurück, reagiert gereizt oder schweigt.


Mehr dazu heute in #MOMMYTIME.


Die Pubertät stellt nicht nur Jungen selbst, sondern auch das gesamte Familienleben auf den Kopf. Umso wichtiger ist es, zu verstehen, was in dieser Entwicklungsphase in Körper und Kopf eines Jungen vor sich geht – denn nur so lässt sich diese Zeit gemeinsam bewältigen.


Pubertät bei Jungen: Ein Blick hinter die Kulissen


Im Vergleich zu Mädchen setzt die Pubertät bei Jungen meist etwas später ein. Erste Vorzeichen zeigen sich häufig zwischen dem 10. und 13. Lebensjahr. Verantwortlich für die Veränderungen ist vor allem ein steigender Hormonspiegel – allen voran Testosteron, das über das Zusammenspiel mit dem Gehirn zahlreiche Umbauprozesse auslöst.


Körperliche Veränderungen: Was sich alles wandelt


Wachstumsschübe und neue Proportionen

Zwischen etwa 13 und 17 Jahren erleben viele Jungen rasante Wachstumsschübe. Sie werden nicht nur größer, sondern entwickeln auch deutlich mehr Muskelmasse. Knochen und Muskeln nehmen bis zum Ende der Pubertät stark zu. In dieser Phase können übrigens auch Dinge wie häufiges Nasenbluten auftreten.


Stimme im Umbruch

Wenn der Kehlkopf wächst und sich die Stimmbänder verlängern, gerät die Stimme zeitweise aus dem Gleichgewicht. Plötzliche Tonlagenwechsel oder ein krächzender Klang sind typisch. Nach einigen Monaten pendelt sich die Stimme ein und klingt dauerhaft tiefer.


Haut, Haare und Körpergeruch

Die gesteigerte Talgproduktion kann fettige Haut, Pickel oder Akne verursachen. Auch die Haare wirken schneller ungepflegt. Gleichzeitig nimmt die Schweißbildung zu, was einen intensiveren Körpergeruch zur Folge hat – ein guter Zeitpunkt, um über Körperpflege zu sprechen.


Behaarung und Körperform

Mit der Zeit entwickeln sich sekundäre Geschlechtsmerkmale: Bartstoppeln, Scham- und Körperbehaarung nehmen zu, die Schultern werden breiter, der Körper insgesamt maskuliner.


Entwicklung der Geschlechtsorgane

Penis und Hoden wachsen, und irgendwann beginnt die Spermienproduktion. Der erste Samenerguss markiert die körperliche Geschlechtsreife – ein bedeutender, oft sehr privater Schritt.


Schlafrhythmus auf dem Kopf

Viele Jugendliche werden abends später müde und kommen morgens kaum aus dem Bett. Dieser verschobene Schlaf-Wach-Rhythmus ist hormonell bedingt. Schlafdefizite werden häufig am Wochenende ausgeglichen.


Hormone und Gehirn: Gefühl vor Verstand

Während emotionale Zentren im Gehirn früh reifen, entwickelt sich der Bereich für Planung und Impulskontrolle erst später. Deshalb handeln pubertierende Jungen oft emotional, spontan oder unüberlegt. Erst Mitte der Teenagerjahre wird dieses Ungleichgewicht langsam ausgeglichen.


Typische Verhaltensänderungen in der Pubertät


Stimmungsschwankungen und Wut

Starke Gefühle wechseln sich oft abrupt ab. Gereiztheit, Aggression oder Rückzug sind keine Seltenheit und meist hormonell verstärkt.


Abnabelung vom Elternhaus

Freundschaften gewinnen an Bedeutung, Eltern werden kritisch beäugt, vieles wirkt plötzlich „peinlich“. Diese Distanzierung ist ein wichtiger Schritt zur eigenen Identität – und geht vorüber.


Unsicherheit und Selbstzweifel

Durch die verstärkte Selbstbeobachtung wächst bei vielen Jungen die Sorge, von anderen bewertet zu werden. Das Selbstvertrauen leidet nicht selten darunter.


Risikofreude und Leichtsinn

Da die Fähigkeit zur realistischen Gefahreneinschätzung noch nicht vollständig ausgereift ist, kommt es häufiger zu waghalsigem Verhalten.


Der Wunsch dazuzugehören

Gruppendruck spielt eine große Rolle. Soziale Medien sind zentraler Bestandteil des Alltags, was klare, aber faire Regeln zum Medienkonsum erforderlich macht.


Erste romantische Erfahrungen

Verliebtheit, Beziehungen und Sexualität rücken in den Fokus – Themen, die meist eher mit Freund:innen als mit Eltern geteilt werden.


Zehn alltagstaugliche Tipps für Eltern von pubertierenden Jungen


1. Gelassen bleiben

Auch wenn es schwerfällt: Viele Verhaltensweisen sind Teil einer normalen Entwicklung. Geduld zahlt sich aus.


2. Gespräche anbieten – ohne Zwang

Kleine, ungezwungene Unterhaltungen zwischendurch signalisieren Interesse und Nähe.


3. Verantwortung übertragen

Ob eigene Entscheidungen oder Aufgaben im Haushalt – Verantwortung stärkt Selbstständigkeit.


4. Unterstützung klar kommunizieren

Auch wenn dein Sohn abweisend wirkt, tut es gut zu wissen, dass er sich auf dich verlassen kann.


5. Regeln gemeinsam festlegen

Klare Absprachen geben Orientierung. Wichtig ist, sie zu erklären und verhandelbar zu machen.


6. Gefühle ernst nehmen

Hilf deinem Sohn, mit starken Emotionen umzugehen – etwa durch Bewegung, Musik oder Gespräche mit Freunden.

Mögliche Strategien:

  • Sport oder Bewegung

  • Musik hören

  • Gedanken aufschreiben

  • Entspannungsübungen ausprobieren


7. Beobachten statt kontrollieren

Bleib informiert über Themen wie Medien, Alkohol oder Internetnutzung – ohne zu überwachen oder zu spionieren.


8. Kurz und respektvoll kritisieren

Lange Vorträge bringen wenig. Klare Ich-Botschaften wirken meist besser.


9. Eltern bleiben – nicht bester Freund

Nähe ist wichtig, aber auch Führung. Dein Sohn braucht Orientierung und klare Grenzen.


10. Eigene Erfahrungen teilen

Erzähl von deiner eigenen Jugend. Das schafft Nähe und öffnet oft Türen für ehrliche Gespräche.

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