Razzien in Europa: Ermittler gehen gegen mutmaßliches Netzwerk vor
Ermittler von Zoll, Polizei und Steuerbehörden sind in verschiedenen europäischen Ländern gegen ein mutmaßlich international agierendes Betrugsnetzwerk vorgegangen. Die Gruppe soll Verbraucher mit vermeintlich neuen Smartphones getäuscht und dabei einen Schaden in dreistelliger Millionenhöhe verursacht haben. Alles dazu in den Nachrichten im LSJonline-Mittagsmagazin.
Nach Informationen von WDR, NDR und Süddeutscher Zeitung sollen die Ermittler in Krefeld eine Lagerstätte durchsucht haben, in der sich mehrere Tausend mutmaßlich manipulierte oder gefälschte Mobiltelefone befanden.
Auch in Düsseldorf kam es zu einem Zugriff: Dort wurde nach Angaben der Europäischen Staatsanwaltschaft ein 43 Jahre alter Ukrainer von Spezialkräften des Zolls festgenommen. Er soll zusammen mit einem Mann aus Moldau und weiteren Beschuldigten eine kriminelle Vereinigung aufgebaut haben.
Smartphones aus alten Komponenten
Die Europäische Staatsanwaltschaft bestätigte die Ermittlungsmaßnahmen. Nach ihrer Darstellung soll das Netzwerk zunächst in Hongkong und den Vereinigten Arabischen Emiraten aus gebrauchten Einzelteilen Smartphones hergestellt haben. Anschließend seien die Geräte als fabrikneue Produkte verpackt und nach Europa gebracht worden. Über ein Geflecht von Scheinfirmen sollen sie anschließend auf verschiedenen Online-Handelsplattformen angeboten worden sein.
Millionen Geräte und hoher finanzieller Schaden
Nach Angaben der Ermittlungsbehörden sollen auf diesem Weg mehr als eine Million Mobiltelefone in den europäischen Handel gelangt sein. Der daraus entstandene Schaden für Käufer wird auf mindestens 300 Millionen Euro geschätzt. Parallel zu dem mutmaßlichen Verkaufssystem soll ein umfangreicher Umsatzsteuerbetrug betrieben worden sein. Seit dem Jahr 2018 könnten den EU-Mitgliedstaaten dadurch mehr als 30 Millionen Euro an Steuereinnahmen entgangen sein.
Auffällige Hinweise von Kunden
Recherchen lieferten zudem Hinweise darauf, dass Käufer bereits zuvor Zweifel an der Echtheit beziehungsweise dem Zustand der angebotenen Geräte geäußert hatten. Bewertungen zu einem Unternehmen, das dem mutmaßlichen Netzwerk zugerechnet wird, berichteten demnach von Problemen mit den als neu beworbenen Smartphones. Unter anderem soll es Schwierigkeiten beim Neustart der Geräte gegeben haben. Laut einer Kundenbewertung habe eine Überprüfung der Geräte-ID durch Samsung ergeben, dass es sich nicht um Neuware handelte.

